Aktuelles

Hörsicht - Tastsicht - Neues von Andersicht

Der Link führt direkt zum Artikel
  • 16.08.2020: Handgreiflicher Gang durch den Skulpturengarten der Kunsthalle Kiel

    Vorgeschichte

    Als sich die Kunsthalle Kiel auf den Weg machte, um sich auch für blinde und sehbehinderte Besucher zu öffnen, kam es fast unvermeidlich zum Kontakt zwischen den Kolleginnen der Kunstvermittlung und unserem Verein für hör- und tastsinnige Projektarbeit. Wir knüpften gemeinsam die Kontakte zu den möglichen Interesent*innen und diskutierten die Möglichkeiten.

    Der Einstieg

    Im Januar 2020 gab es die erste Führung, liebevoll vorbereitet vom Kunsthallenteam. Die Kunstführerin Michaela Wilk schaffte es, zu den ausgewählten Werken einen Zugang über alle Sinne zu schaffen. Mit den vorbereiteten Tastobjekten, vor allem den Tastzeichnungen zu ausgewählten Gemälden gab es die für Fachleute vorhersehbare Einsicht, dass eine fühlende Hand kaum komplexe Darstellungen erfassen kann und sich so etwas wie Perspektiven kaum vermitteln lassen. Schnell entstand eine Idee: Lasst uns gemeinsam die Möglichkeiten der tastsinnigen Zugänglichmachung von Kunst, die fürs Auge gemacht ist, ergründen und dafür einen Workshop organisieren, der auch Interessent*innen von anderen Museen offen stehen soll und somit die Kompetenzen im Land noch besser vernetzt.

    Die Sommerführung

    Für ein Gruppenfoto rückten die Dabei gewesenen dann doch mal kurz zusammen – aber im lichten, offenen, luftigen Raum und mit den Gesichtern nicht einander sondern der Kamera zugewandt.

    Gruppe am Ring

    Liste der handgreiflich erkundeten Werke im Skulpturengarten

    Wir greifen hier zurück auf die Plattform KUNST@SH. Auch mit deren Schöpfern haben wir noch gemeinsame Absichten, die schon länger auf Umsetzung warten.

    Nach einer längeren, durch den Corona-Lockdown bedingten Pause, wurde wieder zu einer Führung eingeladen in den Skulpturengarten, der zur Kunsthalle gehört.
    Dank eines Tourguide-Systems war die Stimme von Michaela Wilk immer nahe an den Ohren der Teilnehmer, auch wenn sie sich weitläufig auf Distanz im Gelände bewegten. Die Handgreiflichkeit der Objekte mit den hinführenden Erläuterungen der Kunstvermittlerin schufen eine Erlebbarkeit, die sich bestimmt nachhaltig in die Erinnerung der Teilnehmenden einschreibt.

  • 17.05.2020 Digital zum internationalen Museumstag

    andersichtige Führungen, heute im Iwalewahaus Bayreuth

    Berührt geführt – heißt der Leitspruch, unter dem sich der Kunsthistoriker Philipp Schramm schon lange um die Zugänglichmachung bildender Kunst für Menschen engagiert, die nicht mit eigenen Augen auf Entdeckungsreise gehen können. Seit einigen Wochen bietet er via Skype Touren durch die Museen dieser Welt an. Zum internationalen Museumstag 2020 führte er live durch die im Aufbau befindliche Sommerausstellung des Iwalewahauses, wo er derzeit selbst aktiv beteiligt ist am Aufbau der Sommerausstellung.

    Philipp Schramm

    Digitale Museumsführungen sind nichts Einzigartiges mehr seit eine Pandemie den realen Ausstellungsbetrieb heruntergefahren hat. Eine virtuelle Führung auch für blinde und sehbehinderte Menschen dagegen ist so selbstverständlich nicht. Seit einigen Wochen bietet Philipp Schramm für Interessierte Online-Treffs per Skype an. Blinde wie sehende Teilnehmer saßen bei diesen Video-Schalten gleichermaßen gebannt vor ihren heimischen Computern, um sich in den Prado, das Metropolitan, das Musee d’Orsay und die Uffizien in Florenz führen zu lassen. Zum internationalen Museumstag hatte er ein ganz besonderes Event auf die Tagesordnung gesetzt.

    Diejenigen in Hessen oder im weiter entfernten Schleswig-Holstein, die sich per Videochat zugeschaltet hatten, wurden von Philipp Schramm, seiner Chefin Katharina Fink und dem Kurator Francis Regis Hitimana im Iwalewahaus begrüßt und durch Arbeits- und Ausstellungsräume geführt. Verschiedene Exponate wurden besprochen und lebendig beschrieben.

    Besonderer Stolz der Ausstellungsgestalter, die sich der Inklusion sehr verpflichtet fühlen, ist ein Bodenleitsystem für Blinde, das mit seinem praktischen Nutzen zugleich in die Raumästhetik der Ausstellungsräume integriert ist.

    Ästhetik des Bodenleitssystems im Iwalewahaus
    Museumsraum mit Leitlinien zu den verschiedenen Räumen

    Das imaginäre Museum – so soll es digital weiter gehen

    Philipp Schramm hat in mehreren Sessions seine Technik vervollkommnet und ist nun in der Lage, reale und virtuelle Museumsbesuche online inklusiv zu präsentieren.

    Bei der Namensgebung für sein Angebot ließ sich Philipp Schramm von einem Essay des Schriftstellers und einstigen französischen Kulturministers André Malraux anregen. Dieser hat 1947 das Musée Imaginaire als inklusives europäisches Forum beschrieben. Ein Ort der Begegnung und des Austausches, ein Ort der Visionen und der grenzüberschreitenden Kommunikation. Malraux‘ Ideale kommen unserer Vorstellung von Museum ziemlich nahe, meint Philipp Schramm, der dieses Angebot mit seiner Firma „berührt-geführt“ ausbauen wird.

  • Unser Schulungsteam

    Zu den Kompetenzträgern in unserem Verein gehören eine Rehabilitatonslehrerin für blinde und sehbehinderte Menschen und eine selbst blinde Sozialpädagoin. Beide zusammen ergeben ein überzeugendes Coaching-Team für die Sensibilisierung von Gastgeber*innen, Gästeführer*innen und Berufe aller Art, die es mit der gesamten Diversität von Menschen zu tun haben.

    Mehr dazu im angehängten Flyer zum Herunterlanden.

  • 27.04.2020: Aussicht durch Andersicht – unser Fernrohr zum Schauen, Hören und Fühlen auf dem Klimadeich von Nordstrand

    Ist es möglich, einen Aussichtspunkt inklusiv zu gestalten? Diese Frage stand am Beginn einer innovativen Entwicklung in unserem Projektverein Andersicht. In der Gemeinde Nordstrand fanden wir einen aufgeschlossenen Partner. Die vertrauensvolle Zusammenarbeit war gewachsen bei der Entwicklung des barrierefreien Weges auf der Krone des neuen Klimadeichs. Dessen Stationen sind bereits in unserem sprechenden Deichkiek so beschrieben, dass auch blinde Menschen diesen Weg selbständig erkunden können.

    Momentaufnahme von den Aufbauarbeiten auf dem Klimadeich am 27.04.2020

    Was hier entwickelt wurde, soll allen Besuchern der Insel- und Halligwelt nützlich sein. Wer durch das Fernrohr blickt, bekommt erzählt, was er vor den Augen hat – und sogar bei schlechter Sicht erfahren die Interessierten, was sie sehen könnten, wenn die Aussicht ungetrübt wäre.

    Die Beschreibungen sind mit dem Anspruch entstanden, dass auch blinde Besucher ein Bild von der amphibischen Landschaft bekommen.

    Die Beschreibungen in Form von Hörtexten können ausgelöst werden durch die Drehbewegungen des Fernrohrs aber auch durch den Finger, der die Landschaft auf der beigestellten Relieftafel erkundet.

    Möglich wurde die Herstellung des dreisinnigen Aussichtspunktes durch die Förderung aus Mitteln des Fonds für Barrierefreiheit durch den Ministerpräsidenten des Landes Schleswig-Holstein – Ko-Finanzierung durch die Gemeinde Nordstrand. 

    Hier die Mitteilung auf den offiziellen Seiten von Schleswig-Holstein.de.

    Nachtrag aus gegebenem Anlass

    Eigentlich sollte es Ende April eine feierliche Einweihung geben. In den Corona-Zeiten war dies leider nicht möglich. Aber wenn nun bald die Touristen kommen, erwartet sie ein komplettierter Panoramaweg mit  Infotafeln und Verweilplätzen und nun eben auch dem einzigartigen Fernrohr.

  • Zehn Jahre Andersicht!

    Wir feiern unsere Zukunft

    19. Dezember 2018 14:00 Uhr
    Nordfriesland Museum, Nissenhaus
    Herzog-Adolf-Straße 25, 25813 Husum

    Wir schenken uns zu unserem zehnjährigen Bestehen eine neu gestaltete Webpräsenz, geben symbolisch unseren modernisierten WattenAudioGuide für Hallig Hooge frei und starten in neue Projekte.

    Wir freuen uns auf das Zusammensein mit zahlreichen Weggefährten, Partnern und Unterstützern.

    In einem Museum gründete sich der Verein am 19.12.2008. Für die Gründungsversammlung wählten wir einen Ort mit hör- und tastsinniger Aura: das Textilmuseum „Tuch und Technik“ in Neumünster.

    In einem Museum feiern wir genau zehn Jahre später, was in diesen Jahren an Projektarbeit zusammen gekommen ist: im Nordfrieslandmuseum Husum. 

    Auch dieses Haus hat in unserer Geschichte eine wichtige Rolle gespielt. Hier realisierten wir unseren ersten andersichtigen Audioguide. Der ist nun auch schon Geschichte, aber immer noch bemerkenswert.

    Was wir vor allem feiern, ist die wunderbare Produktivkraft Synergie. Sie entsteht, wenn Menschen ihre verschiedenen Kompetenzen in Projekten vereinen, um etwas Gutes, Neues, Nützliches zu schaffen.

    Husum, Hooge, Nordstrand – das sind die nordfriesischen Orte unseres fröhlich-schöpferischen Gemeinschaftswerks.

    Hier geht es weiter zum Medienecho auf unsere Veranstaltung!

  • 12.12.2018 Mehr sehen durch hören – Der WattenAudioGuide für Hallig Hooge

    Mit kundigen Augen und blinden Experten hat Andersicht e. V. im Auftrag der Gemeinde Hallig Hooge einen Audioguide entwickelt. Seinen Benutzern versprechen wir, dass Ihre Wahrnehmung beim Zuhören eine neue Tiefenschärfe bekommt.

    „Wir kennen keine umfassendere Beschreibung einer Kulturlandschaft!“, so der Projektentwickler Jürgen Trinkus.

    Von 101 Betrachterpunkten aus wird die Hallig Hooge in Worte gefasst. Eingeschlossen sind die drei Anfahrtswege vom Festland, von Nordstrand sowie Sylt und Amrum. Aktualisiert wurde bis zuletzt. So wurde auch schon der neue Markttreff auf der Hanswarft eingearbeitet, wo auch unser großes Tastrelief seine neue Heimat finden wird.

    Hallig-Hooge-Relief
    Hallig-Hooge-Relief

    Bild_ Hier entsteht der Markttreff auf der Hanswarft
    Hier entsteht der Markttreff auf der Hanswarft

    Die Texte wurden im Hamburger Studio Tonformation professionell aufgesprochen. Die Gesamtspielzeit beträgt fast vier Stunden. Diese informationsgeladenen Audiodeskriptionen sollen sich in den Köpfen zu Bildern fügen. Blinde Besucher erhalten eine Dimension der Wahrnehmung vermittelt. Sehende Benutzer können mit den Beschreibungen im Ohr detailgenauer schauen.

    Kaum jemand kennt Hallig Hooge so gut wie die langjährig tätige Gästeführerin Dr. Renée Oetting-Jessel. Kaum jemand ist geschulter in Audiodeskription als ihre Ko-Autorin Hela Michalski. In Bettina Radener fanden wir die Stimme unserer Texte.

    Die mehr als 500 Puzzleteile aus Fotos, Texten, Audios und Geopositionen fügte die IT-Ingenieurin Heike Garbe zu einem digitalen Gewebe.

    Die strategisch angelegte Gesamtarchitektur des Projektkoordinators Jürgen Trinkus konnte in dieser großartigen Teamarbeit aufgehen.

    Und hier der Link zum Watten Audio Guide: https://www.wattenaudioguide.de

    Ein paar technische Anmerkungen

    Die Anwendung ist sowohl auf stationären als auch mobilen Geräten nutzbar. Benutzt wird sie mit Webbrowsern. Diese sollten die moderne HTML5-Architektur beherrschen und das Ausführen von Java-Script zulassen.

    Für das Ausführen einer Web-Applikation ist jedes gängige Betriebssystem geeignet. Im Unterschied zu Android- oder IOS-Apps ist unser Guide also systemübergreifend nutzbar.

    Eine Herausforderung stellte es dar, die Inhalte auch dort bereit zu stellen, wo es gerade kein Internet gibt. Auch dafür haben wir eine brauchbare Kompromisslösung gefunden, wie wir meinen. Alles Weitere ist den Nutzungshinweisen auf der Startseite zu entnehmen.

    19. Dezember 2018

  • 18.12.2018 Klimadeich Nordstrand

    Projektort Nordstrand: ein Klimadeich setzt andersichtige Maßstäbe

    Im Rahmen unserer Jubiläumsveranstaltung in Husum am 18.12.2018 konnten wir unter Beteiligung unserer Partner und Akteure auf die Erfolgreiche Gestaltung des Promenadenweges über den Klimadeich von Nordstrand zurückblicken und die nächste Etappe einleiten, nämlich den Audioguide für diesen Weg zu erstellen. Zunächst aber ein lohnender Blick auf das bis hierher Erreichte.

    Als wir im Jahr 2011 unser Projekt „Nordstrand Hörbar Gastlich“ realisierten, dachten wir nicht an Klimawandel und seine Konsequenzen. Die Nordfriesen aber hatten die neuen Herausforderungen des Küstenschutzes schon voll im Blick. Sie planten für Nordstrand einen Klimadeich. Der sollte nicht nur der steigenden Flutgefahr einen Riegel vorschieben, der bei weltweit steigendem Wasserspiegel zu erwarten ist. Die Deicherhöhung sollte auch dem Tourismus etwas Neues geben: ein 2,5 km langer Promenadenweg auf der neuen breiten Krone des Klimadeichs. Mit unserem damaligen Projekt haben wir vielleicht gedanklich die Interessen blinder/sehbehinderter Besucher ins Bewusstsein der Auftraggeber gerückt. Sie hatten jedenfalls das Ziel, einen Erlebnisraum für alle Sinne und alle Menschen zu schaffen.

    Foto des 3D-Modells des Klimadeichs
    Modell des Klimadeichs.
    Es gehört zu den Tastreliefs, die auf dem Klimadeich aufgestellt wurden.

    Mit der Konzipierung war das Landschaftsplanungsbüro Außenraum in Flensburg beauftragt. Dass dieses unsere Expertise suchte, freut uns, und wir meinen, es hat der barrierefreien Gestaltung gut getan. Jo Agnes Hauck, die uns damals konsultierte, ist auch zu unserem Feiertreff ins Nissenhaus gekommen. Gefragt nach den gesammelten Erfahrungen, die auch für Folgeprojekte berücksichtigt werden sollten, sagt sie:

    „In Bezug auf die Freiraumplanung denke ich, dass es eigentlich gar nicht schwer ist, die Belange von Blinden und Sehbehinderten zu berücksichtigen, wenn
    A. der Bauherr darauf Wert legt
    B. der Bauherr dies von Anfang an als eines seiner Ziele definiert
    C. der Planer dieses Ziel kennt und entsprechend berücksichtigt wird.
    D. Der Planer sich früh externe Expertise dazu holt.

    Vieles ist dann nicht einmal mit Zusatzkosten verbunden, z.B. die Auswahl der Farben für Bodenbeläge und Treppen.

    Teile des Blindenleitsystems können gleichzeitig einen praktischen Nutzen haben, z.B. als Randeinfassung der Wege, die sowieso gebraucht werden.

    Dort, wo die recht teuren Blindenleitplatten liegen, braucht man kein normales Pflaster, so dass es „nur“ um den Mehrpreis im Vergleich zum normalen Bodenbelag geht.

    Informationsmöglichkeiten wie die 3D-Modelle sind auch für Sehende spannend und informativ, hier braucht man nur etwas Fantasie, um die Themen zu finden, die sich gut umsetzen lassen.

    Teuer wird es immer dann, wenn im Nachhinein rausgerissen und neu gebaut wird, weil man sich in der Planungsphase zu wenige Gedanken gemacht hat.

    Verschriftlichter Beitrag von Jo Agnes Hauck

    Nun kommt es darauf an, dass das Leitsystem und die allsinnigen Angebote auch von denen genutzt werden, für die sie geschaffen wurden. Eine Hinführung und Gebrauchsanleitung wollen wir schaffen durch die Ausweitung unseres WattenAudioGuides auf eben diesen Promenadenweg von Nordstrand. Unsere Geburtstagsfeier ist dafür der offizielle Startpunkt.

Top