Projektlinien

Andersichtige Projektarbeit hat in der kurzen Zeit der Vereinsgeschichte eine große Vielfalt erreicht. Dabei geht es um die Übertragung visueller Angebote in gesprochenes Wort und in anfassbare Abbildungen.

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  • Grundlinien der Andersicht-Projekte und ihre Vielfalt

    Andersichtige Projektarbeit hat in der kurzen Zeit der Vereinsgeschichte eine große Vielfalt erreicht. Dabei geht es um die Übertragung visueller Angebote in gesprochenes Wort und in anfassbare Abbildungen. 

    Unsere bisherigen Einsatzorte sind Landschaften, Museen, Theater, Kinos und touristische Dienstleister. In unseren Angeboten bemühen wir uns, die technischen Möglichkeiten in einer nutzbaren Form zu erschließen: 

    1. Einsatz der Audiodeskriptio;
    2. Erstellung von Tastreliefs, die wir inzwischen auch zum Sprechen gebracht haben;
    3. Umsetzung schriftlicher Texte in verfügbare Audio-Informationen;
    4. Entwicklung von Fortbildungsangeboten und
    5. Impulse zum Design für alle.
  • Warum wir auf den Hörstift setzen

    Andersicht folgt dem Leitgedanken „Ich höre und fühle, was Du siehst.“ Für den Ausstellungs- und Museumsbereich bedeutet dies, dass ein rein visueller Zugang zu den Exponaten nicht genügen kann. Museen sollen mehrsinnig erlebt werden können.

    Moderne Präsentationskonzepte bemühen sich im Allgemeinen schon sehr um die Einbeziehung von Hörerlebnissen und – besonders in der Museumspädagogik für Kinder und Jugendliche – auch um haptische Erfahrbarkeit. Solche Angebote werden in der Regel als Ergänzungen entwickelt, jedoch nur selten im Sinne einer durchgängigen Zugänglichmachung für Menschen, die sich nicht auf ihre visuelle Wahrnehmung stützen können.

    Konventionelle Audio- und Multimediaguides stellen zwar durchgängige Hörbegleitung für ganze Ausstellungen bereit, wir können die Mehrheit von ihnen aber kaum als technisch niederschwellig einstufen. Das Abrufen von Auditiven Begleitinhalten setzt eine Interaktion voraus, bei der der Benutzer dem Gerät klar machen muss, zu welchem Objekt er gerade Informationen haben will.

    Ein niederschwelliger Ansatz liegt vor, wenn der Besucher nichts weiter tun muss, als sich dem Objekt zu nähern und mit einem Sensorstift ein Label mit einem Code zu berühren.
    Unser Versuch mit einer RFID-Technik

    Im Jahr 2009 hatte Andersicht die Gelegenheit, die gesamte Dauerausstellung des Nordseemuseums in Husum mit einer Audioführung zu versehen. Wir arbeiteten dazu mit der Marburger Firma Dräger & Lienert, die das System TagItGuide entwickelt hatte.

    An den Eingängen zu den Räumen, an Objektgruppen und Objekten waren gut auffindbar Labels mit RFID-Chips platziert.

    Die Idee des Systems war attraktiv. Berührt der Nutzer das Label mit dem Stift ein erstes Mal, erfährt er den Namen des Objektes. Tippt er es ein zweites Mal an, werden inhaltliche Details präsentiert. Will man weitere deskriptive Informationen bekommen, tippt man ein drittes Mal.

    Wird eine Objektgruppe erstmals kontaktiert – egal an welchem Objekt – gibt es eine Einführung zum Bereich.

    Zusätzlich wurden Orientierungs-Tags angebracht, die blinden Besuchern Hinweise zur Fortsetzung des Weges liefern.

    Eine historische Darstellung des Projektes

    Die technische Umsetzung hat sich als kaum praxistauglich erwiesen. Gründe und Problemfelder, die nicht aus dem Weg geräumt werden konnten, sind folgende:
    Der Sensorstift war an einen tragbaren Kleincomputer angeschlossen. Neben diesem Kabel musste auch noch ein Kopfhörer angeschlossen werden. Das war eine recht umfangreiche Behängung und Bekabelung.

    Am Minicomputer konnte es leicht zu Fehlbedienungen kommen. Wurde das Gerät unsachgemäß bedient oder im Depot nicht regelmäßig aufgeladen, wurde ein Systemstart erforderlich, der meist nicht ohne Support durch die Anbieterfirma zu machen war.
    Diese Technik verbrauchte mehr Strom als der Akku für einen Rundgang hergab.

    Inzwischen ist unser TagItGuide für Husum selbst zum Museumsstück geworden. Die Audioinhalte, gesprochen von Sandra Keck und Jasper Vogt, haben wir bewahrt. Sie können hier heruntergeladen werden!

    Unser Hörstift

    Präsentation des Hörstifts Bild 2

    RFID, QR-Code und Bluetooth haben allesamt das gleiche Problem: sie benötigen aufwändige Hard- und Software. Bei unserer Suche nach Alternativen stießen wir auf den Hörstift, der sehr einfach konstruiert ist, robust gebaut, sehr leicht zu handhaben und reaktionsschnell ist.

    Unser Anwendungspartner für diese Technik war zunächst das Multimar Wattforum in Tönning. Wir verwendeten zunächst den als Blindenhilfsmittel gebräuchlichen PenFriend. Fünf Stifte standen mit den deutschen und fünf mit den englischsprachigen Inhalten zur Verfügung.

    Wir haben mittlerweile auf den Ting-Stift umgestellt, der eine Multi-Layer-Nutzung ermöglicht, also das rasche Umschalten zwischen verschiedenen Varianten von Informationen zu ein und demselben Objekt.

  • Audiodeskription

    Audiodeskription, auch als akustische Bildbeschreibung oder seltener als Audiokommentierung bezeichnet, ist ein Verfahren, das blinden und sehbehinderten Menschen ermöglichen soll, visuelle Vorgänge besser wahrnehmen zu können. Dabei wird die Handlung mit einem akustischen Kommentar versehen, um sie für das Publikum erfassbar zu machen. Dies kann durchaus auch ohne derartige Einschränkungen hilfreich sein.

    Bei Filmen und in Fernsehsendungen ergänzt die Audiodeskription die Untertitelung oder Übersetzung in Gebärdensprache für Gehörlose. Diese Versionen werden dann als Hörfassung und die entsprechenden Filme auch als Hörfilm bezeichnet. Weitere Einsatzgebiete der Audiodeskription sind: Schauspiel und Musiktheater, touristische Angebote wie Stadtführungen, Naturerlebnispfade und Live-Sportereignisse.

    Der Begriff wird abweichend von diesem Begriffsverständnis auch in Museen verwendet, in denen die Besucher durch einen im Vorhinein aufgezeichneten Audiokommentar nähere Informationen zu den gezeigten Exponaten erhalten können.

    Soweit die Wikipedia-Einleitung. Weitere Details hierzu finden Sie dort.

  • 18.12.2018 Klimadeich Nordstrand

    Projektort Nordstrand: ein Klimadeich setzt andersichtige Maßstäbe

    Im Rahmen unserer Jubiläumsveranstaltung in Husum am 18.12.2018 konnten wir unter Beteiligung unserer Partner und Akteure auf die Erfolgreiche Gestaltung des Promenadenweges über den Klimadeich von Nordstrand zurückblicken und die nächste Etappe einleiten, nämlich den Audioguide für diesen Weg zu erstellen. Zunächst aber ein lohnender Blick auf das bis hierher Erreichte.

    Als wir im Jahr 2011 unser Projekt „Nordstrand Hörbar Gastlich“ realisierten, dachten wir nicht an Klimawandel und seine Konsequenzen. Die Nordfriesen aber hatten die neuen Herausforderungen des Küstenschutzes schon voll im Blick. Sie planten für Nordstrand einen Klimadeich. Der sollte nicht nur der steigenden Flutgefahr einen Riegel vorschieben, der bei weltweit steigendem Wasserspiegel zu erwarten ist. Die Deicherhöhung sollte auch dem Tourismus etwas Neues geben: ein 2,5 km langer Promenadenweg auf der neuen breiten Krone des Klimadeichs. Mit unserem damaligen Projekt haben wir vielleicht gedanklich die Interessen blinder/sehbehinderter Besucher ins Bewusstsein der Auftraggeber gerückt. Sie hatten jedenfalls das Ziel, einen Erlebnisraum für alle Sinne und alle Menschen zu schaffen.

    Foto des 3D-Modells des Klimadeichs
    Modell des Klimadeichs.
    Es gehört zu den Tastreliefs, die auf dem Klimadeich aufgestellt wurden.

    Mit der Konzipierung war das Landschaftsplanungsbüro Außenraum in Flensburg beauftragt. Dass dieses unsere Expertise suchte, freut uns, und wir meinen, es hat der barrierefreien Gestaltung gut getan. Jo Agnes Hauck, die uns damals konsultierte, ist auch zu unserem Feiertreff ins Nissenhaus gekommen. Gefragt nach den gesammelten Erfahrungen, die auch für Folgeprojekte berücksichtigt werden sollten, sagt sie:

    „In Bezug auf die Freiraumplanung denke ich, dass es eigentlich gar nicht schwer ist, die Belange von Blinden und Sehbehinderten zu berücksichtigen, wenn
    A. der Bauherr darauf Wert legt
    B. der Bauherr dies von Anfang an als eines seiner Ziele definiert
    C. der Planer dieses Ziel kennt und entsprechend berücksichtigt wird.
    D. Der Planer sich früh externe Expertise dazu holt.

    Vieles ist dann nicht einmal mit Zusatzkosten verbunden, z.B. die Auswahl der Farben für Bodenbeläge und Treppen.

    Teile des Blindenleitsystems können gleichzeitig einen praktischen Nutzen haben, z.B. als Randeinfassung der Wege, die sowieso gebraucht werden.

    Dort, wo die recht teuren Blindenleitplatten liegen, braucht man kein normales Pflaster, so dass es „nur“ um den Mehrpreis im Vergleich zum normalen Bodenbelag geht.

    Informationsmöglichkeiten wie die 3D-Modelle sind auch für Sehende spannend und informativ, hier braucht man nur etwas Fantasie, um die Themen zu finden, die sich gut umsetzen lassen.

    Teuer wird es immer dann, wenn im Nachhinein rausgerissen und neu gebaut wird, weil man sich in der Planungsphase zu wenige Gedanken gemacht hat.

    Verschriftlichter Beitrag von Jo Agnes Hauck

    Nun kommt es darauf an, dass das Leitsystem und die allsinnigen Angebote auch von denen genutzt werden, für die sie geschaffen wurden. Eine Hinführung und Gebrauchsanleitung wollen wir schaffen durch die Ausweitung unseres WattenAudioGuides auf eben diesen Promenadenweg von Nordstrand. Unsere Geburtstagsfeier ist dafür der offizielle Startpunkt.

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