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Astronomie für alle Sinne - Veranstaltung im Mediendom

Arianne 5

11. Okt. 2009

Am Nachmittag des 11.10.2009 wurde den Augen der Alleinbesitz der Sterne über Kiel streitig gemacht in einer ausverkauften Veranstaltung, die andere Wege zeigte für die Aufbereitung astronomischen Wissens.

An diesem Sonntag hatte der Jüngste der Andersichtigen seine Sternstunde. Niels Luithardt ist Student der Mathematik und Physik an der Christian-Albrechts-Universität Kiel. Mit der Sehkraft ist es bei ihm nicht weit her, aber dieses Handicap hat er längst als Herausforderung angenommen.

Seine Idee fiel im Januar auf den fruchtbaren Boden des gerade begonnenen internationalen Jahres der Astronomie, das man in Kiel mit bundesweit einmaligem Engagement feiert mit einem Gemeinschaftsprogramm der Landeshauptstadt mit ihren drei Hochschulen: "Sterne über Kiel". Hierbei engagiert sich besonders einer der drei Astronomieprofessoren der Kieler Uni, Wolfgang J. Duschl, Lehrstuhlinhaber am Institut für theoretische Physik und Astrophysik.

Für die Idee, audiotaktile Lern- und Anschauungsmittel bereitzustellen, war der Professor leicht zu gewinnen - trotz seines weltweiten wissenschaftlichen und in diesem Jahr besonders umfangreichen populärwissenschaftlichen Engagements. Warum, das ließ er seine Zuhörer im Mediendom gerne wissen. Das sichtbare Licht macht nur einen sehr kleinen Ausschnitt des Wellenspektrums aus, in dem sich kosmische Objekte bemerkbar machen. Und selbst in dem Bereich, der dem Sehsinn unmittelbar zugänglich ist, kann selbst das schärfste Auge bei ungestörtem Blick in den Himmel ohne teleskopische Hilfsmittel nicht sehr tief hinein schauen in unser Universum.

Wie sich das Auge täuschen lässt, machte Prof. Duschl deutlich anhand des "Himmels-Ws", des Sternbildes Orion. Dessen "Gürtelsterne" erscheinen dem Auge aufgereiht wie auf einer Perlenschnur. Und doch ist der mittlere von ihnen sehr viel weiter entfernt von uns als die, die ihn zu flankieren scheinen. "Die kennen sich gar nicht, die drei." Die größere Distanz gleicht der Alnilam durch eine größere Helligkeit aus.

Will man den Kosmos verstehen, reicht der bloße Augenschein nicht weit. Wir verdeutlichen unsere Erkenntnisse am besten durch visuelle Darstellungen. Aber das ist nicht zwingend, wie Prof. Duschl an der Frühgeschichte unseres Universums verdeutlicht. Das Echo des Urknalls teilt sich uns mit als rasante Veränderung der Temperaturverteilung. Und warum sollte man die nicht ebenso gut akustisch veranschaulichen können? Ja, man kann. Prof. Duschl führte es im Mediendom eindrucksvoll vor.

Mit einigen begeisterungsfähigen Studenten hatte der Astroprof. die Veranschaulichungsmittel für Ohr und Hand vorbereitet. Vier Sternbilder wurden mit Brettern und Schraubenbolzen so dargestellt, dass ihre scheinbare Position, ihre scheinbare Helligkeit, ihre tatsächliche Helligkeit und weitere Eigenschaften unterschieden werden können.

Niels Luithardt hatte ursprünglich noch mehr im Sinn, als er zum ersten Mal mit den Landkarten des Medienpaketes zur Hallig Hooge in Kontakt kam, die von Andersichtigen mit Hilfe des Tag-It-Guide der Fa. Dräger & Lienert Informationsmanagement zum Sprechen gebracht wurden. Was hier zunächst nur für Ausstellungs- und Demonstrationszwecke gedacht war, bekam für den praktisch blinden Studenten visionäre Bedeutung.

Den Gedanken, audiotaktile Lernmittel herzustellen, die befühlt und durch Aktivierung auditiver Informationen "befragt" werden können, bewog Niels Luithardt, ein Zusammentreffen zwischen seinem Professor und Mitgliedern des jungen Vereins Andersicht herbei zu führen. Das Treffen fand dann auch am 26. Januar 2009 statt.
Dabei wurde auch die Kooperation mit dem Mediendom auf den Weg gebracht, aus der das erste Andersicht-Projekt entstanden war: die Audiodeskription zur ESA -Planetariumsshow "Augen im All - Vorstoß ins unsichtbare Universum". Auch sie wurde an jenem 11. Oktober aufgeführt. Und Niels hatte auch gleich die Tastmodelle der beiden Satelliten dabei, um die es in der 3D-Kuppelshow auch ging. "Planck" und "Herrschel" hatte er mit dem Modellbauer Thomas Schirmer so gut nachgebaut, dass Prof. Duschl sich ansteckend daran freute.

Und so schließt sich der Kreis, denn hier, im Veranstaltungsrahmen der bundesweiten Woche des Sehens wurde der erste Meilenstein sichtbar für ein hoffentlich gut gedeihendes Astrokabinett für
Seh-, Hör- und Tastsinn.

"Zum Riechen und Schmecken ist uns noch nichts eingefallen", meinte Prof. Duschl.

 

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