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Sonntags zu den Skulpturen nach Bissee

Pegasus

26. Juli 2009

Skulpturen werden von Händen geschaffen, aber es ist kaum üblich, sie mit Händen zu ergründen. Am Sonntag, 26. Juli 2009 gab es für Andersichtige eine Sonderführung durch ein besonderes Dorf, wovon hier zu berichten ist.

Foto: Die Skulptur Phönix' Blüte Am Anfang dieses Berichts soll ein Foto stehen. Ein Mann posiert darauf mit einer Skulptur. Der Mann ist Wilhelm Bielfeld, das bejahrteste Mitglied von Andersicht e. V. Die Skulptur, die es ihm angetan hat, heißt "Phönix Blüte" und stammt von Milan Drews. Eine Blüte auf einem langen Stängel. Die Blütenblätter lassen sich per Hand öffnen und schließen. Im Inneren der Blüte der Blütenstempel einem Vogel gleich. Das Serienprodukt verkaufte sich gut in den USA, wo so etwas als Sicht-Urne in den Garten gestellt werden darf.

 

Foto: Schönes Dorf Milan Jäger ist mit neun Arbeiten vertreten auf der diesjährigen Freilichtausstellung "Skulpturen in Bissee". Ein gleichnamiger Verein veranstaltet sie schon zum 11. Mal. Von Juni bis Oktober wird ein schönes Dorf bei Kiel zur Auf- und Ausstellungsfläche für plastische Kunstwerke. In diesem Jahr sind es 32 Arbeiten von sieben Künstlern. Sie stehen auf privaten Grundstücken, deren Besitzer es auch ausdrücklich gestatten, sich den Werken zu nähern.

Wilhelm Bielfeld ist unser Skulpturen-Freak. Er hatte im ANTIKHOF Bissee angerufen und gefragt, ob es möglich wäre, eine spezielle Führung zu bekommen, bei der Blinde an die Arbeiten der Künstler herangeführt würden.

Mit grasenden Rindern auf der Koppel sieht man das Werk Linie von Reinhard Thürmer So kam es zu der Verabredung mit Traute von Lilienhoff-Zwowitzki vom Skulpturenverein. Von den 32 ausgestellten Werken, sagte sie, sind 28 zugängig. Manche Werke sind ausdrücklich so aufgestellt, dass man sie aus der Distanz bewundern muss, dafür aber z. B. in trautem Miteinander mit grasenden Rindern auf einer Koppel.Foto: die Skulptur Pegasus - zu hoch zum Betasten (Pegasus in drei Metern Höhe, auf den Hinterbeinen stehend)

 

 

Als nicht ertastbar erwies sich "Pegasus". Das Pferdchen thronte zu hoch auf einer Mooreiche.

 

 

 

Um "Pietra Santa" von Milan Jäger zu befühlen, musste man einen längeren Weg um das Haus und in den Garten einer Ärztin gehen. Sie kam zufällig des Weges und lud uns ausdrücklich ein, ihren Garten zu betreten.

 

Foto: Pietra Santa unter den tastenden Händen von W. Bielfeld

Für Wilhelm Bielfeld hat so eine Begehung auch etwas Demonstratives. Die Menschen sind so erzogen, dass Kunstwerke zu besehen aber nicht zu betasten sind. Dass tatsächlich nicht alle Plastiken dem innigen Kontakt vieler Hände stand halten, erlebten wir bei unserer Kieler Ausstellung "Tastwege zur Kunst" 2003, bei der ca. 4000 Hände im Dunkelraum den Formen auf den Grund gehen wollten. Aber was im Freien stehen kann, ist in aller Regel auch robust.

"Wir Blinden tasten ja auch vorsichtig", sagt Wilhelm Bielfeld. Das hatte sich zu erweisen an der Installation "Aquarium" von Milan Drews: ein fragil aufgehängter Fisch in einem Käfig, von dem wir erfahren, dass er aus einem alten Weinregal entstand.

Foto: Die Skulptur Rote Spuren

 

Der andersichtige Wilhelm Bielfeld ist wirklich ein Meister im Erfühlen. Noch bevor er den Namen der Skulptur "Rote Spuren" von Norbert Jäger wusste, fand er schon, dass es ihm scheint, als ob hier ein Mensch seinen Körper-Abdruck hinterlassen habe.

 

 

Foto: Die Skulptur 3 Stelen von Günter Gerlach

 

 

Nicht alles lässt sich jedoch mit Händen greifen. Günter Gerlach lässt optische Figuren durch räumliche Arrangements seiner Stelen entstehen. Die müssen einem Blinden beschrieben werden, ebenso wie die Wechselwirkung der Kunst mit dem ländlichen Ambiente.

 

Werk No. 08-1

 

 

Es ist ein Vergnügen und war unser Privileg, die Arbeiten aus Holz, Metall und Stein befassen zu können. Die kinetischen Figuren von Christoph Böllinger berühren und dadurch auch bewegen zu können, ist etwas anderes als sie von Ferne zu betrachten.

 

 

 

Foto: Die Skulptur Durch 2 Seiten von Norbert Jäger "Durch 2 Seiten" von Norbert Jäger" ist eine der Steinarbeiten: weißer Marmor mit schwarzen Adern! Es ist einfach schön, die Rundungen zu fühlen.

 

 

 

Foto: Frau Lilienhoff-Zwowitzki begrüßt die Andersichtigen Auf diesem Bild ist auch unsere kundige Ausstellungsführerin Traute Lilienhoff-Zwowitzki zu sehen. Ihr haben wir schon angekündigt, dass wir fürs nächste Jahr eine Begehung mit mehr Teilnehmern anbieten wollen. In Sachen Skulpturen hat Wilhelm Bielfeld noch weitere andersichtige Impulse gegeben, von denen zu gegebener Zeit noch die Rede sein wird.

Foto: Die Skulptur Tranquilo von Raphael Beil

 

Ein Bericht von Jürgen Trinkus, der nicht widerstehen konnte, der herausfordernd am Wanderweg stehenden Arbeit "Tranquilo" von Raphael Beil auf den steinernen Leib (Labrador blue pearl) zu rücken.

 

 

 

 

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