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Mit dem Marschenboot ins Nolde-Land?

Marschenboot

5. Juli 2009

Andersichtiger Ausflug in die touristische Zukunft mit Vergangenheitsfaktor. Am Sonntag, den 5. Juli 2009, in Seebüll und am Ruttebüller See -
Ein Bericht von Jürgen Trinkus

Körkemeyer Als ich Michael Körkemeyer kennen lernte, erzählte mir der passionierte Segler, dass er gern auch in dunkler Nacht auf dem Wasser ist. Da orientiert er sich wie einst auch die Polynesier an den Wellenpanoramen in den Ohren und dem Wind im Gesicht. Es gibt alte Seekarten aus der Südsee, die das wiedergeben, sagt er.

Körkemeyer ist Garten- und Landschaftsplaner aus Dörpum. Und er legt Wert darauf, dass die schleswig-holsteinische Westküste vor nicht allzu langer Zeit ein amphibisches Land war. "Einstmals reichten die Priele der Nordsee bis Leck, und es dauerte Jahrhunderte bis die vorgelagerten Halligen Horsbüll, Dagebüll oder Fahretoft landfest wurden." (s. "Südtondern ist Nolde-Land" von Wolfgang Pittkowski).

Wir sind verabredet in Seebüll, was unser Navigationsgerät nicht kennt. Seebüll gehört zu Neukirchen und ist der Name der Warft, die Emil Nolde 1926 erwarb und wohin er von Utwarf mit Hilfe von Heubooten statt Möbelwagen umzog. Heuboote gehören zu den Marschenbooten, die es Michael Körkemeyer angetan haben.

Die amphibische Zeit ging in den 20-er Jahren des 20. Jahrhunderts zu ende. Elektromotoren machten die Schöpfmühlen zu effizienten Pumpwerken, und es gelang in kürzester Zeit, den Wasserspiegel um vier Meter abzusenken, wie wir erfahren. Straßen ersetzten die Siele und Gräben. Mancherorts ist ein Marschenboot liegen geblieben.Foto: Überreste eines Marschenbootes

Michael Körkemeyer führt uns zu den Überresten eines ziemlich großen Exemplars nahe der Naturbadestelle Hüllthof-Tief. Die Landschaft heißt Wiedingharde und war vormals Hallig-Land, was man ihr noch deutlich ansehen kann, denn die Gebäude stehen noch immer auf den Warften.

Mehr Ursprünglichkeit gibt es unweit von hier, jenseits der deutsch-dänischen Grenze. Man könnte mit dem Marschenboot die Wiedau befahren, sinniert Körkemeyer. "Körkemeyer hat Visionen", konnte man auch im  "Nordfriesland Tageblatt" vom 07.08.2008 "Träume von einer ganzen Bootsflotte" lesen. Im Vorjahr konnte er den Nordfriesenrat dafür gewinnen, auf der Jannenswarft bei Fahretoft ein Sommerferienprojekt mit dem Bau eines Marschenbootes zu gestalten.

2009 regte es sich in Seebüll. Noldes Fischerboot wurde aus dem Fischerei- und Seefahrtsmuseum (Fiskeri- og Søfartsmuseet) im dänischen Esbjerg geholt, um als treuliche Vorlage zu dienen für einen Nachbau durch den aus Mecklenburg-Vorpommern herbei gerufenen Bootsbauer Kai Zausch ( Mehr dazu auf den Internetseiten der Nolde-Stiftung ). Beim Bootsbauer Zausch
Der Bau fand statt im Hüllthoft Hof, wo wir den Bootsbauer bei der Arbeit erlebten.

Wir trafen Michael Körkemeyer vier Tage vor dem Stapellauf des Nolde-Boot 2, bei dem er als Projektleiter fungiert. Ab 2. September wird er einstündige Fahrten auf der Schmale anbieten. Auf dem Nolde-Boot haben freilich nur Kleingruppen in Familiengröße Platz. Vielleicht aber fahren einmal auch Marschenboote auf der Wiedau von Tondern bis Hoyer. Körkemeyer stellt sich vor, dass solche Ausflüge in die amphibischen Refugien der Natur für jedermann ein großes Erlebnis sein können und gerade auch für mobilitätseingeschränkte Menschen.

Foto: Badestelle Zu unserer kleinen Gruppe gehörten die Andersichtigen Hela und Winfried Michalski (dieser machte die Fotos dieses Artikels), Rosemarie und Jürgen Trinkus, und unser Gast war Dagmar Christine Kroll, die Leiterin der Bezirksgruppe Südtondern im Blinden- und Sehbehindertenverein Schleswig-Holstein.

Wir schauten noch ins Nolde-Haus und gingen durch des Malers Garten.

Bei einem Abstecher in den ziemlich großen und doch gut sortierten Shop kaufte ich mir eine der CDs, die es von den Audioführungen zu den thematischen Ausstellungen in der Berliner Dependance der Nolde-Stiftung zu kaufen gibt. Die zur Ausstellung 2008 heißt „Mein Wunderland von Meer zu Meer“. Andersichtiger Erkenntnisgewinn: „Die Farben dienen einem expressionistischen Maler wie Nolde (…) nicht nur zur Wiedergabe des Gesehenen sondern auch zum Ausdruck des Gehörten und innerlich Erlebten.“ (Track 9).

Nun freue ich mich schon auf die Nolde-Boot-Fahrt mit Michael Körkemeyer, die freilich noch zu verabreden ist. Ich sagte ihm, dass ich die Stille der Landschaft mag, die akustisch so viel Weite fühlbar werden lässt. Michael Körkemeyer aber sagt: Dies ist eine sehr laute Landschaft.

Und wenn beides wahr ist?

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