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Sehenswertes Theater hör- und tastsinnig aufbereitet

Jürgen auf Couch

29. Mai 2010

Andersicht wahrt mit Partnern eine kleine feine Tradition. Ein Bündnis aus Projektverein, Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe und Stiftern ermöglicht dem Landestheater ein Projekt, das Blinde nicht aus-, sondern einschließt.

Rendsburg, 21.05.2010, 14:00 Uhr. zur symbolischen Übergabe des Zuwendungsschecks in der Gesamthöhe von 6500 Euro hatten Hans Valdorf von der Bürgerstiftung Region Rendsburg und Manfred Buncke, der als geschäftsführender Vorstand der Sparkasse Mittelholstein die Stiftung der Spar- und Leihkasse Rendsburg vertrat, eingeladen. Um die Zuwendung hatten sich der Blinden- und Sehbehindertenverein Schleswig-Holstein e. V. und Andersicht e. V. gemeinsam bemüht.

Scheckübergabe vorm Theater Rendsburg Auf dem Gruppenfoto zu sehen sind mit Hans Valdorf und Manfred Buncke Anke Dose (Vorstand des BSVSH), Carsten Fröbe (Fondsbeauftragter im BSVSH) und Dr. Jürgen Trinkus als Vorsitzender von Andersicht mit dem Hausherrn Harro Adler (Spielstättenleiter des Landestheaters). Kulisse ist das Portal des Stadttheaters Rendsburg. Die Zuwendung der Stiftungen war die Voraussetzung für die Fehlbedarfsfinanzierung aus Mitteln des "Fonds zur Herstellung der Barrierefreiheit im öffentlichen Raum für blinde und sehbehinderte Menschen in Schleswig-Holstein" beim Sozialministerium des Landes.MSGF-Fonds

Das Schleswig-Holsteinische Landestheater öffnet sich zum dritten Mal den Bedürfnissen blinder und sehbehinderter Besucher und verlegt dazu den Aufführungsort aus den Kammerspielen in den großen Theatersaal, da nur dort die technischen Gegebenheiten für eine live-Einsprache der Audiodeskription vorhanden sind. Das Nordteam im Hörfilm e. V. Nordteam (Olaf Koop, Hela Michalski, Rudolf Beckmann) erarbeitete die Zusatzkommentare, durch die die rein visuellen Momente der Inszenierung auch Nichtsehenden verständlich werden. Live eingesprochen werden diese dann von Haide Völz aus Bamberg.

Ab 16:30 Uhr werden im Theater Rendsburg die guidePORT-Empfänger ausgegeben. Bewegt man sich mit diesen durchs Haus, werden mit Hilfe von Transpondern wissenswerte Informationen über die Beschaffenheit der Räume hörbar. Die Transponder sind im Foyer, an der Theaterkasse, der Garderobe, in der Nähe der Toiletten und im Theatercafé angebracht. Im letztgenannten Bereich erfährt ein nichtsehender Besucher z. B. auch Preise und Bezeichnungen des Getränke- und Speiseangebots.

Während der Theatervorstellung empfängt das Gerät die live aus dem Regieraum eingesprochenen Zusatzkommentare, mit deren Hilfe auch das hörbar gemacht wird, was sich rein visuell auf der Bühne ereignet.

Da alle Infos per Ohrclip zu hören sind, werden die anderen Theaterbesucher nicht gestört.

Ein Lokaltermin vor der Aufführung ermöglicht es den nichtsehenden Besuchern, den Bühnenraum zu begehen, Requisiten und Kostüme zu betasten und somit eine körperliche Beziehung zum späteren Geschehen zu gewinnen. Damit das Event auch als kulturtouristisches Wochenende von Besuchern angenommen wird, die eigens aus Bayern, Hessen, Niedersachsen, Hamburg und Nordrhein-Westfalen anreisen werden, wurde auch ein kleines Rahmenprogramm organisiert.

Geplanter Ablauf

Sa. 29. Mai 2010:

Ab 13:30 Uhr Stadtführung für Blinde und Sehbehinderte;
ab 16:30 Uhr Ausgabe der guidePORT-Geräte im Stadttheater;
ab 17:00 Uhr Bühnenführung zum Kennenlernen von Spielstätte, Kostümen und Requisiten;
ab 18:30 Uhr Einführung ins Stück;
ab 19:30 Uhr Komödie „Der Gast“ von David Pharao mit live-Audiodeskription;
ab 21:45 Uhr Nachgespräch mit Darstellern und Beteiligten der Aufführung.

So. 30. Mai 2010:

Ab 11:00 Uhr Matinee im Theaterfoyer:
Lesung von Isabel Baumert.

Vorgeschichte

Das inzwischen auch in Osnabrück, Görlitz, Wiesbaden und Heidelberg erfolgreich angewandte Konzept wurde in Schleswig-Holstein entwickelt durch das von Jürgen Trinkus initiierte Kulturprojekt des BSVSH blickfrei - Dialog jenseits des Augenscheins. Das erste Kulturwochenende, in dessen Mittelpunkt Theater mit Audiodeskription stand, wurde am 10./11. Oktober 2004 in Kiel veranstaltet. Im Mittelpunkt stand "Das Käthchen von Heilbronn" in der Inszenierung von Daniel Karasek am Schauspielhaus Kiel. Mehr Infos dazu finden Sie hier.

Die positiven Erfahrungen wurden am 14. und 15.10.2006 noch einmal gemacht bei William Shakespeares "Hamlet. Prinz von Dänemark" in der Inszenierung von Daniel Karasek wiederum im Kieler Schauspielhaus. Hier gibt's mehr Infos dazu.

Dank der Beharrlichkeit von Hela Michalski als Hörfilmbeauftragte des BSVSH wurde 2008 und 2009 eine Kooperationen mit dem Schleswig-Holsteinischen Landestheater möglich, die der "Fonds zur Herstellung von Barrierefreiheit finanzierte. Am 14.10.2007 "Der Volksfeind" von Henrik Ibsen und am 20.09.2008 "Der Gott des Gemetzels" von Yasmina Reza.

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