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Design für alle im Einzelhandel - ein Modellfall

Einkaufswagen mit Sitzvorrichtung

3. Juli 2010

Dass es eine gute Idee war, Volker König zu bitten, uns sein tastsinniges Wedel zu zeigen, wurde besonders sinnfällig im Edeka Frischmarkt an den Welau Arcaden, der noch auf der Tagesordnung des Andersicht-Jahrestreffens 2010 stand.

Der Geschäftsführer, Herr Volker Klein, stellte sein Konzept zum barrierefreien Einkauf vor.
Nicht nur für Rollstuhlfahrer, sondern auch für Kunden, die mit einem Rollator ins Geschäft kommen, gibt es spezielle Einkaufswagen. Die breiten Gänge lassen einen Begegnungsverkehr zu. Die Regale sind niedriger als gewöhnlich und die Gefriertruhen sind deutlich flacher, sodass sich auch Rollstuhlfahrer eigenständig ihre Waren auswählen können. Die scharfkantigen Ecken der Truhen sind mit einem Geländer geschützt, damit sich keiner blaue Flecken holt. Die niedrigen Durchreichen an Fleisch- und Käsetheken ermöglichen den Rollstuhlfahrern eine würdige Kommunikation mit dem Bedienpersonal und die selbstständige Entgegennahme der Ware.

Mitten im Markt steht eine Bank zum Ausruhen. Dort befindet sich auch ein Rufknopf, mit dem Kunden Hilfe anfordern können. Weitere Sitzgelegenheiten gibt es in der Vorkassenzone und vor dem Edeka-Markt.

Für Hörbeeinträchtigte sind an den Bedientheken sowie an einer Kasse Induktionsschleifen installiert und bei Alarm werden Gehörlose durch Blitze aufmerksam gemacht.

Um den besonderen Bedarf sehgeschädigter Besucher umsetzen zu können, ließ sich der Tastplan bei Edeka Marktleiter von Herrn König beraten.

Gleich im Eingangsbereich steht ein Reliefplan von Jochen Brodersen. Dort können sich blinde Kunden orientieren, wo bestimmte Warensortimente zu finden sind. Auch auf Dauer werden diese Bereiche nicht verändert, um das nervige Suchen bei Umstellungen zu vermeiden. Der ganze Markt wird durch blendfreies Licht ausgeleuchtet. Durch eine Vielzahl von Lautsprechern braucht die Beschallung nicht so laut zu sein und ist besonders für den blinden Kunden angenehm. Selbst auf Werbespots wird wegen der lästigen akustischen Störung weitgehend verzichtet.

Die Preisschilder sind größer, serifenfrei und kontrastreich gestaltet, genauso wie die von der Lupe im Supermarkt Decke hängenden Warengruppenschilder. An jedem Regal sind Lupen befestigt. Bei Bedarf kann sich der Blinde durch den Edeka-Markt von einer Servicekraft begleiten lassen. Ein Lieferservice bringt den Einkauf auch auf Wunsch nach Hause.

Herr Volker Klein hat seine vielfältigen Maßnahmen in einem Ordner dokumentiert. Er stellt ihn auch gern anderen Edeka-Märkten zur Verfügung.

Der demografische Wandel zeigt, dass immer mehr Wert auf Qualität und Entspannung gelegt wird. Selbst wenn der Kunde ein paar Cent mehr bezahlen muss, wird ihn ein stressfreies Einkaufen entschädigen.

Der Edeka-Markt wurde vom Sozialverband Deutschland, Landesverband Schleswig-Holstein, mit dem "Gütesiegel für ein besonderes Engagement für die Teilhabe von behinderten und älteren Menschen in der Gesellschaft" ausgezeichnet. Überreicht wurde die Plakette mit Urkunde vom Landesbeauftragten für Menschen mit Behinderung, Herrn Dr. Ulrich Hase. Außerdem wird dieser Supermarkt von Behindertenverbänden als "Vorzeigemarkt in Deutschland" benannt.
Wedel ist durch Volker Königs Engagement zu einer wirklich blindenfreundlichen Stadt geworden. Alle Maßnahmen zugunsten von Behinderten haben für diese einen hohen Mehrwert. Aber auch Menschen ohne Handicap können davon profitieren.

So verstehen wir "Design für alle".

 

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