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"Der Gast" - das Stück

Im folgenden Teil des Berichtes soll kurz auf Inhalt, Inszenierung und den Wert der Beschreibung eingegangen werden.

Endlich scheint die schon drei Jahre währende Arbeitslosigkeit für Gérard ein Ende zu nehmen. Das Arbeitsamt hat ihm ein Vorstellungsgespräch zu einer Firma vermittelt, die einen Niederlassungsleiter für ihre Aluminiumhütte irgendwo in Indonesien sucht. Und kaum vorstellbar, sie wollen ihn nehmen. Nur eine kleine Hürde wäre noch zu meistern: Ein großer Chef mit Namen Pontignac will sich bei einem gemeinsamen Abendessen ein persönliches Bild vom neuen Mitarbeiter verschaffen. Gerard (hier gespielt von Stefan Eichberg) hat, um Geld zu sparen, den Chef zu sich nach Hause gebeten, was seine Frau Colette (Isabel Baumert) aus guten Gründen in Panik versetzt.

Da taucht ein Nachbar namens Alexandre auf (gespielt von René Rollin), der - wie er sagt - in der Wohnung unter dem Paar lebt. Er fürchtet, vom Wasserschaden heimgesucht zu werden, mit dem sich Colette gerade herumschlägt. Der Nachbar schwingt sich zum Image-Berater auf und verwandelt das prollige Heim mit Gemälden und moderner Skulptur in ein Neureichenheim. Er schafft ausgefallenes Essen herbei und macht mit dem widerstrebenden Gerard ein vergeblich scheinendes Kommunikationstraining.

Zwei Stunden früher als geplant klingelt es. Der Gast (dargestellt von Stefan Bergel) findet die modernen Gemälde schrecklich. Gérard holt daraufhin seine billigen Reproduktionen vom Flohmarkt wieder heraus. Auch die Opernmusik, die Alexandre empfohlen hat, findet der Gast unerträglich. Er  teilt Gérards Liebe zu alten Schlagern ebenso wie die zur Modelleisenbahn, die Alexandre gleichfalls als Bewerbungskiller aus dem Raum verbannt hatte. Anhand der Umstände seines Erscheinens und seiner Aufmachung "entlarvt" Alexandre den Gast bald als einen Blumenhändler, den sie daraufhin hinauswerfen.

Alexandre meint tröstend, dass Gérard doch Glück gehabt habe, denn wenn diese Firma keinen eigenen Mitarbeiter nach Indonesien schicke, dann sei das doch ein "Scheißjob" in unerträglichem Klima inmitten religiöser und sozialer Unruhen. Doch Gérard hat den Vertrag schon unterschrieben, denn der "Blumenhändler" war noch einmal zurückgekehrt und hatte sich als Pontignac geoutet. Gérards Verhalten fand er genau passend für den Job. Dass er sich bedingungslos allen Erwartungen eines Chefs anpasste, war ebenso erwünscht wie der Tritt in den Hintern des niederrangigen "Blumenhändlers".

Glück oder Unglück für Colette und Gérard? Das Stück über gesellschaftliche Verhältnisse in den Zeiten der Langzeitarbeitslosigkeit verhandelt tief ernste Probleme in spritzigen Dialogen mit den vollendet beherrschten Mitteln der Kommödie. Das war schon durch die Dialoge weitgehend nachvollziehbar, auch für blinde Besucher der Vorstellung. Aber was wäre ihnen entgangen ohne die Audiodeskription? Dazu mehr im nächsten Artikel.

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