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Das war unser Hörfilmtag

NFT: Roll-Up

5. November 2011

Am 5. November war Hörfilmtag im Rahmen der 53. Nordischen Filmtage Lübeck. So entsteht Lust auf Mehr!

Ein Filmfestival dreht sich naturgemäß um Bilder. Die Bilder entstehen dabei im den Köpfen der Zuschauer. Es sind durchaus nicht bei allen Zuschauern immer die gleichen Bilder - es hängt eben auch von den Köpfen ab. Ein Filmfestival ist jedenfalls ein Fest für die Augen. Blinde "Zuschauer" sind dort eher "im falschen Film". Wenige Ausnahmen bestätigen diese Regel.

Eine schöne und nun schon fünf Jahre andauernde Ausnahme sind die Nordischen Filmtage Lübeck. Irgendjemand freilich muss so ein Ausnahmeereignis organisieren und das ist nun schon im zweiten Jahr Andersicht e. V. mit seiner geballten Kompetenz für hör- und tastsinnige Projektarbeit.

NFT: Funkempfänger Unseren Stützpunkt konnten wir aufschlagen im CineStar Filmpalast im Vorraum zum Saal 7. In diesem ca. 200 Zuschauer fassenden Saal wurden die beiden Filme mit Audiodeskription gezeigt. Wir stellten unser Roll-up auf. Es zeigt oben den einladenden Slogan: "Bilder aus dem Ohrclip - Ein Kinoerlebnis mit Zusatzkommentar für blinde, sehbehinderte und auch sehende Besucher". Wir stellten es auf mit einem Tisch für die "Kostenfreie Ausleihe der Funkempfänger". Dieses Bild zeigt den Andersicht-Stand mit den zur Ausleihe bereit liegenden Tourguide-Empfängern.

NFT: Hela, Struve, Jürgen Mit uns wartete Christoph Struve von der Firma ETM Production auf das interessierte Publikum.

Der Hörfilmtag war nur möglich, weil die Festivalleitung unser Anliegen aus vollem Herzen und mit großer Aufmerksamkeit unterstützte. Stellvertretend Dank sagen konnten wir dafür Doris Bandhold, der Leiterin des Filmforums.

NFT: Bandhold Becherübergabe Die Zuschauer konten zwei bemerkenswerte Filme mit zusätzlicher auditiver Dimension erleben. Die gelungene Filmbeschreibung stellte diese wieder eindrucksvoll her. Die interessierten Besucher waren eigens aus einem Einzugsbereich zwischen Greifswald und Flensburg, zwischen Kiel, Schwerin und Hamburg gekommen. Unter Ihnen waren auch einige Produktionsbeteiligte. Anne Moll gehörte dazu. Die Schauspielerin, Synchron- und Hörbuchsprecherin, hatte die Audiodeskription zum Kieler "Tatort - Borowski und der coole Hund" eingesprochen. Mit uns gemeinsam erlebte sie das unter die Haut gehende Drama "Die verlorene Zeit".

Neben den Filmen lockte die Aussicht auf ein Forum zur Zukunft des Hörfilms. Dieses wurde moderiert von der NDR-Hörfunk-Journalistin Sigrid Werner-Ingenfeld.

Mehrere Podiumsteilnehmer und Ursula Heerdegen-Wessel, die im Publikum saß, hatten an den Gesprächen der ARD mit den Spitzenverbänden der Hör- und Sehgeschädigten entscheidend mitgewirkt. NFT: Forum Diese Verhandlungen hatten unter Federführung des NDR zu einer Willenserklärung der ARD geführt, bis Ende 2013 mehr barrierefreien Rundfunkzugang zu verwirklichen. Hintergrund ist, dass das bisherige Rundfunkgebührenmodell abgelöst wird und dann Schwerbehinderte nicht mehr generell von der Zahlungspflicht befreit sind.

Was schon in einschlägigen Medien zu lesen war, erfuhren die Teilnehmer des Forums noch einmal aus erster Hand und berufenen Mündern: Das Hörfilmangebot im Ersten soll bis Ende 2013 so ausgebaut werden, dass alle fiktionalen Formate (also alles, was Spiel- und Fernsehfilm heißt) und auch die Naturfilme in der sog. Primetime mit Audiodeskription versehen werden sollen. Das ist eine große Herausforderung, die mit dem momentanen personellen und finanziellen Ressourcen nicht zu stemmen ist. Im Forum wurde deutlich, wie viele offene Fragen es noch gibt. Niels Rasmussen jedenfalls sagte mit Nachdruck, dass wir uns darauf verlassen könnten, dass die ARD auch hier für professionelle Standards stünde. Wir werden das kritisch-konstruktiv beobachten.

Das 90-Minuten-Gespräch konnte die Thematik nicht umfassend behandeln. Blinde Hörfilmfreunde nutzten die Gelegenheit jedoch, einiges von dem anzusprechen, was ihnen unter den Nägeln brennt. Dazu zählen die unzureichende Versorgung mit der zusätzlichen Tonspur über DVB-T und Kabel, die Ausstrahlung von Filmen ohne Audiodeskription, obwohl eine solche verfügbar ist und unerfüllte Wünsche nach Beschreibung für sog. Blockbuster. Gewünscht wurde auch ein deutlicher Hinweis auf Hörfilme vor Beginn der Ausstrahlung.

Die Nordischen Filmtage sind das große Meeting für den nordeuropäischen Film von Finnland übers Baltikum, Schweden, Norwegen und Dänemark bis hin nach Grönland. NFT: Nicolai Andrees Warum sollte dort nicht auch mal das Thema Audiodeskription internationalisiert werden? Wir schauen neugierig in die Zukunft. Und wir haben die Zuversicht, dass wir weiter machen können, denn der Geschäftsführer der Bert-Mettmann-Stiftung hat sich selbst davon überzeugen können, dass hier ein Stück Teilhabe blinder und sehbehinderter Menschen realisiert wird, dass der weiteren Unterstützung für würdig befunden werden darf. Ganz in diesem Sinne nahmen wir Abschied voneinander und sagen: Auf Wiedersehen in Lübeck 2012!

 

 

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