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Erfahrungsbericht über eine Woche als Blinde allein auf Hallig Hooge

Katja

Aufgeschrieben von Katja Jag

Wie viel habe ich von einer Reise, wenn ich als Vollblinde allein, d.h. unabhängig von Blindeneinrichtungen, unterwegs bin? Welchen Reiseeffekt habe ich dadurch: Überwiegt der Stress so sehr, dass ich es besser lassen sollte?

Vor der Reise

Da ich momentan ein Freistellungsjahr habe und deshalb nicht arbeiten gehen muss, war die Zeit genau richtig für dieses Experiment. Ich erkundigte mich also beim Touristenbüro auf Hallig Hooge, ob sie es für machbar halten würden, dass eine Blinde die Hallig allein erkunden könne. Die Antwort des Touristenbüros war eher skeptisch: Es gäbe wohl eine taktile Landkarte und einen Audioguide, aber ganz ohne Begleitung würden sie mir nicht raten, die Hallig zu bereisen. Da ich wissen wollte, ob es trotzdem schon jemand Blindes gewagt hat, ging ich mit meinen Infos an die Mailingliste "bsreisen". Daraufhin wurde ich von Jürgen Trinkus, dem Tourismusbeauftragten des BSV Schleswig-Holstein, mit folgender Mail dazu ermutigt.

"... Es gab im Gefolge unseres Projektes "Ich höre und fühle, was du siehst! Hallig Hooge für Blinde und Sehbehinderte" schon zahlreiche blinde Besucher, die sich mit Hilfe unseres bei der DZB in Leipzig käuflich erwerbbaren Medienpakets (Landkartenset und Audioführung im DAISY-Format) mit diesem einzigartigen Stück Land vertraut gemacht haben. ... Das Projekt wurde im April 2008 fertiggestellt. Allein reisende Blinde haben es offenbar bislang nicht unternommen, Hallig Hooge zu ergründen. Die Hallig-Bewohner - ein wunderbar buntes und weltoffenes Völkchen, zu dem gar manche Zugereiste gehören, kann es sich daher vielleicht auch noch nicht vorstellen, dass es möglich ist. ...

Mit unserem Tourismus-Projekt wollen wir auch nicht suggerieren, dass es hier gewissermaßen Schienen gebe, auf die man wenig mobile Blinde setzen kann und dann laufen sie allein, und nach einer gewissen Zeit kann man sie wieder abholen. Unser Projekt heißt "Ich höre und fühle, was du siehst!", weil wir detaillierte Tast- und Hör-Informationen anbieten, die es gestatten, sich eine gründliche Vorstellung von diesem Stückchen Land zu bilden. Aber es gibt kein Leitsystem.

Es gibt Blinde, die sind ohne Begleiter von Heidelberg zum Nordkapp gegangen, haben ethnologische Forschungen auf Samoa gemacht, zogen nach Ruanda oder Tibet oder erkundeten Dublin und Saint Louis. Warum soll man da nicht zur Hallig Hooge fahren? Warum solltest Du nicht die Erste sein, die das allein unternimmt? Lass Dir den Plan nicht allzu leicht ausreden. ..."

Und so kam es, dass ich beschloss vom 29.09. bis 07.10. die Hallig Hooge auf eigene Faust zu besuchen. Also buchte ich mir ein Zimmer und kaufte mir eine Fahrkarte auf die Hallig Hooge. Außerdem bestellte ich die Landkarte bzw. die Audiobeschreibung bei der DZB in Leipzig. Jetzt konnte es los gehen.

Zwei Tage vor der Reise wurde ich doch etwas nervös. So beschloss ich die Ermutigungsmail noch einmal zu lesen. Jetzt traten jedoch plötzlich ganz andere Passagen in den Fordergrund:

"... Da ist zum einen der Verkehr. Die Wege zwischen den Warften sind gut befestigt und haben markante Ränder.  Aber es herrscht hier so etwas wie "Shared Space". Autos (fast nur die der Bewohner), Pferdekutschen (eigentlich nur im Sommer für die Tagesgäste) und Fahrräder (leider sitzen darauf oft ungeübte Urlauber) teilen sich die Wege mit den Fußgängern. ...

Das andere Problem ist die raue Natur und die Macht der Fluten. Eine Hallig ist ein fragiles Stück Land im Wattenmeer. Die 10 Halligen sind Überbleibsel der großen Sturmfluten zwischen dem 13. und 19. Jahrhundert. Auf dem Schwemmland, was da noch aus dem Meer ragte, haben die Leute Warften aufgeschüttet, worauf sie ihre Wohnhäuser erbauten. Die Halligen sind die zäh verteidigten Wellenbrecher für die Festlandküste von Nordfriesland. Bei "Land unter", den Sturmfluten des Winterhalbjahres verschwinden die Straßen und noch tiefer gelegenen Fennen (Wiesen) im gurgelnden Meer, und das Wasser reicht (mittlerweile nur noch) bis an die Kanten der befestigten Warften (früher musste man sich mit Mann und Vieh oft in die oberen Etagen oder gar auf die Dächer der Häuser flüchten).

Die Hallig ist durchzogen von Prielen und Gräben. In die sollte man lieber nicht fallen.

Wenn es abends oder bei Seenebel dunkel wird, ist es dort wirklich dunkel, denn Straßenlaternen gibt es dort nicht, wo die Nordsee als "Blanker Hans" gelegentlich alles fort reißt, was im Wege steht.

1950 hat sich der erfahrene Vogelwart Jens Wand bei plötzlich hereinbrechendem Seenebel im Watt verlaufen und konnte der Flut nicht mehr entrinnen. Die Natur will hier also sehr ernst genommen werden. ..."

Jetzt wurde mir doch etwas mulmig. Und kurz überlegte ich, wie das wäre, wenn ich die Reise einfach abblasen würde. Viel Zeit blieb jedoch für diese Gedanken nicht und so trat ich meine über 10-stündige Zugfahrt von Heidelberg nach Hallig Hooge an.

Ankunft

Als ich Dienstagabend auf der Hallig ankam, wurde ich dort von einem Nachbarn meiner Wirtin erwartet und zu meiner Pension gefahren. Ich folgte meiner Wirtin eine schmale, steile Treppe hinauf, wo sich mein kleines, gemütliches Zimmer befand. Neben meinem Zimmer war ein winziger fensterloser Raum, das WC, und zum Duschen musste ich nach unten in das im Erdgeschoss gelegene Badezimmer. Für mich alles durchaus in Ordnung und sehr anheimelnd. Meine Wirtin ängstigte sich, dass ich die Treppe herunter fallen könnte. Jedoch versprach ich ihr, nicht zu fallen und hielt dies auch ein.

An diesem Abend rettete mich meine liebenswerte 88-jährige Wirtin vor dem "Verhungern", indem sie mir anbot, mich zum nahegelegenen Restaurant zu begleiten, was ich auch gerne annahm. Sie bestand darauf, dass mich die Köchin des Restaurants nach dem Essen zurück brachte.

Der erste Eindruck von Hooge war eine unbeschreibliche Stille, obwohl es eigentlich sehr windig war. Auffällig war, dass ich keine fahrenden Autos hörte, was für mich, die ich relativ nahe an der A5 lebe, sehr ungewöhnlich war.

Erste Orientierung

Am Mittwochmorgen, nach einem üppigen Frühstück, erklärte mir meine Wirtin, dass sie mir die Warft zeigen wolle. Eigentlich wollte ich ihr keine Umstände bereiten, aber konnte das verlockende Angebot nicht ablehnen. Auf dem Weg über die Warft stoppten wir unter Anderem im Touristenbüro, wo ich mir den Audioguide und das Kartenmaterial auslieh. Meine Wirtin versuchte, mir alles auf der Warft gelegene so verständlich wie möglich zu beschreiben, doch irgendwie wurde ich aus ihren Erklärungen nicht schlau. So fiel mir auf, dass Sehende, die öfter mit Blinden zu tun haben, doch wohl eine ganz spezielle Erklärungsweise benutzen, um uns Dinge näher zu bringen. Ich ließ mir jedenfalls nichts anmerken, da sie sich wirklich viel Mühe gab.

In der Schutzstation Wattenmehr erfuhr ich, dass in der kommenden Woche nur noch eine geführte Wattwanderung geplant war und die fand an diesem Nachmittag statt. Die Schulklasse, für die diese Wattführung bestimmt war, hatte nichts dagegen, dass ich mitging, und so beschloss ich, die Gelegenheit gleich wahrzunehmen. Bis zum Beginn der Wattwanderung um 16.30 Uhr hatte ich nun genügend Zeit, mich mit dem Kartenmaterial und dem Audioguide vertraut zu machen.

Touristische Hilfsmittel - Audioguide und Karten

Im Folgenden möchte ich kurz das Kartenmaterial und den Audioguide beschreiben:

1. Das Kartenmaterial besteht aus drei Karten: Die erste Karte zeigt die nordfriesische Insel- und Halligwelt. Eingezeichnet sind auch die Schiffahrtslinien. Die zweite Karte zeigt die Hallig Hooge mit allen Warften. Die dritte hat die Hanswarft, welches die größte Warft ist, zum Gegenstand.

2. Am Audioguide befindet sich oben ein Band, welches zum Umhängen dient. Neben diesem Band befindet sich der erste wichtige Knopf. Mit ihm kann man drei verschiedene Modi (Ebenen) einstellen: der Orientierungsmodus, der automatische Modus und der manuelle Modus. Auf der Frontseite des Gerätes befindet sich ein Wippschalter, mit dem man Sprachpassagen oder Zielpunkte auswählen kann. Unter diesem Wippschalter befinden sich zwei Knöpfe zur Lautstärkeregelung.

Modibeschreibung

1. Der Orientierungsmodus sagt einem an, wie weit der ausgewählte Zielpunkt entfernt ist und in welcher Richtung er liegt, z. B.: Ockenswarft in 400 Metern auf 2 Uhr.
2. Wenn man den automatischen Modus gewählt hat, fängt der Audioguide an, über die Zielpunkte zu sprechen, sobald man sie erreicht hat.
3. Beim manuellen Modus kann man beliebig Zielpunkte mit der Wipptaste auswählen, um sie sich anzuhören, unabhängig davon, wo man sich gerade befindet.
Das Gerät hat keinen Kompass in sich. Es richtet sich nach der Gehrichtung des Nutzers. Zunächst fand ich diese drei Modi und das Gerät an sich sehr verwirrend. Doch nach einer halben Stunde lernte ich die Vorzüge der Modi zu schätzen.

Mein erster Weg

Mein erster Weg mit dem Audioguide sollte so einfach wie möglich sein. Also ging ich von der Hanswarft runter und geradeaus zum Deich. Dies war ein Betonplattenweg, auf dem ich links die Kühe grasen hörte und es in unbestimmten Abständen plätschern hörte. Dies mussten die Priele sein. Auf dem zwanzigminütigen Weg bis zum Deich traf ich nur einen einzigen Menschen. Da fiel es mir wieder ein: Die Hallig hat ja nur 107 Bewohner, und anfang Oktober sind nicht mehr so viele Touristen da.

Als ich wieder zurück kam, wollte ich den Imbiss auf meiner Warft finden. Leider waren nur Touristen da, die mir den Weg dorthin nicht sagen konnten, aber ich fand einen Crepesstand, und das war auch mal lecker. Danach versuchte ich, mein Bild über die Wege und Häuser auf meiner Warft zu vervollständigen: Dies war sehr schwer, weil die vielen Tagestouristen mir keine Möglichkeit gaben, mir markante Orientierungspunkte zu suchen. So beschloss ich, das weitere Erkunden der Warft auf den Abend zu verschieben.

Nachdem ich am Nachmittag noch etwas über meine Wohnwarft geschlendert war, machte ich mich fertig für die Wattwanderung. Anna, die die Führung übernommen hatte, erzählte mir auf dem Weg zum Treffpunkt mit der Klasse, dass sie ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) auf der Hallig machen würde. Anna zeigte den Fünfklässlern und mir sämtliche Vorkommnisse im Watt, z. B. Seegras, Seesalat, Seetang, Wattwürmer, verschiedene Krebse, Garnelen und Muscheln.

Nach einer Stunde im Regen und barfuß im Watt, erreichten wir wieder die Schutzstation. Dort nahm sich Anna noch Zeit, um mir typische Landschaftsvorkommen der Hallig zu zeigen und zu erläutern. Diese Landschaft war als Modell im Wattenmeerhaus tastbar aufgebaut. Auch lernte ich den Unterschied kennen zwischen einer Hallig und einer Insel: Eine Insel sitzt, im Gegensatz zu Halligen, auf einer Süßwasserblase. Demnach wird auf Halligen Regenwasser in sogenannten Fethingen gesammelt.

Nachdem ich wieder zurück in der Pension war, musste ich erst mal eine heiße Dusche nehmen, bevor ich mich zum Abendessen aufmachte.

Gehen im Wind

Am darauf folgenden Morgen, es war Donnerstag, traute ich mich endlich weiter weg von meiner Warft. Doch zunächst musste ich erst einmal den Audioguide beim Touristenbüro austauschen, weil er aus unerfindlichen Gründen nicht mehr mit mir sprach, obwohl ich ihn die ganze Nacht aufgeladen hatte.

Mein Weg führte auf die Lorenz-Mitteltritt-Warft, auf der ein Hotel bzw. Restaurant steht. Der Wind blies ziemlich stark, was die Orientierung erheblich beeinträchtigte:  Windböen ändern das Gleichgewichtsempfinden, und das Hören wird zum Teil ganz unmöglich.  Foto: Allein unterwegs Auch waren die Windböen manchmal so stark, dass man leicht zur Seite gedrückt wurde und auch der Langstock gelegentlich außer Kontrolle geriet. Durch die starke Windirritierung erwischte ich die falsche Auffahrt zur Mitteltritt-Lorenz-Warft und stand nun vor einem Schuppen. Der Besitzer des Hotels sah mich dort, kam und brachte mich zum Hotel. Leider war ich zu früh dran, denn das Restaurant öffnete erst um eins. Aber netterweise ließ er mich in einem seiner Strandkörbe vor dem Hotel Platz nehmen. Kaum war ich dort, fing es in Strömen an zu regnen. Nur gut, dass ich ein Dach über dem Kopf hatte. Nach einer Stärkung, klappte der Heimweg so gut, dass ich mich noch zur östlichsten Warft, der Ockenswarft, aufmachte. Weil ich danach noch nicht genug hatte, ging Ich noch ein Stückchen weiter bis zum Landsende, welches der östlichste Punkt der Hallig ist und wo man wieder auf den Deich trifft, der die Hallig umgibt.

Auf dem Rückweg wurde der Wind stärker, zum Teil waren die Böen so stark, dass das Geradeausgehen unmöglich wurde. Ich stellte fest, dass mich starker Wind, zirka ab Windstärke 7, sehr beängstigte und ich mich wirklich zusammenreißen musste, um nicht panisch zu werden. Vor allem der Gegenwind. Außerdem fiel das Gerät wieder aus, wodurch ich keine Punkte mehr angesagt bekam. So gestaltete sich der Rückweg als superanstrengend und aufregend.

Ein Tag voller Eindrücke

Am Freitag machte ich mich auf zur Kirchwarft. Kirchwarft Darauf gibt es zwei Häuser: Das Pastorat und eine putzige kleine Kirche. Nachdem ich zunächst hinter dem Pastorenhaus landete, machte ich Bekanntschaft mit dem Pastor, der sich etwas Zeit nahm, um mich zur kleinen Kirche zu begleiten. Als ich in der Kirche alleine war, lauschte ich der Beschreibung meines Audioguides und versuchte, genannte Dinge an Wänden und Bänken zu ertasten. Der Altarbereich war mit einer Schnur abgesperrt, weshalb ich dort nicht hin ging. Markant und interessant war für mich die Gestaltung der Kirchenbänke. Bevor man in eine Bankreihe treten konnte, musste man ein Gatter öffnen, um in die Bankreihe gehen zu können. An jedem Bankende zur Mitte bzw. zum Gang hin befand sich ein dachförmiger Abschluss, auf dessen Spitze sich ein Kerzenhalter befand. So kann man den Kirchengang mit 24 Kerzen umsäumt beleuchten, was ich mir als sehr schön aussehend vorstellte.

Nach dem Besuch der netten kleinen Kirche ging ich zur Backenswarft, die man vom Fähranleger als erstes erreicht, um dort im Restaurant Friesenpesel Kaffee und Kuchen zu genießen. Auf dem Rückweg versagte wieder die Stimme meines Audioguides. So musste ich, wie eigentlich jeden Tag, zum Touristenbüro, um wieder ein neues Gerät zu erhalten. Diese Unzuverlässigkeit der Geräte hielt übrigens bis zum letzten Tag an.

Am Nachmittag ging ich zu einem Angebot der Wattenmeerschutzstation, dem Bernsteinschleifen. Obwohl außer mir keiner diesen Kurs besuchte, fand er trotzdem statt, was für mich natürlich toll war. Zunächst zeigte man mir, was so alles vom Meer angespült wird: Darunter waren traurige Dinge wie unerlaubte wachsartige Ölablagerungen von Schiffen, aber auch tolle Sachen wie Walwirbel oder ein Brachvogelschnabel. Alles in allem nahmen sich die Mitarbeiter der Wattenmeerschutzstation sehr viel Zeit für mich. Sie ließen mich sogar lebende Fische aus ihren Aquarien anfassen und sie zeigten mir ein ordentliches Sortiment ihrer ausgestopften Vögel, z. B. Austernfischer, Ringelgans, Rotschenkel, Alpenstrandläufer und Knutt.

Schließlich kamen wir auch zum Bernsteinschleifen, was mit unterschiedlich starkem Schmiergelpapier erlangt wird. Am Abend stellte ich mich einer sprachlichen Herausforderung: einem Theaterstück auf Plattdeutsch mit dem Titel "Buddel für Anna". Es war verständlicher, als ich es vermutet hatte, jedenfalls gab's viel zu lachen.

Land unter!

Am Samstag windete es sehr stark.Foto: Land unter mit Kühen Mir wurde empfohlen, nicht von meiner Warft zu gehen. Das Vieh wurde auf die Warften getrieben, man erwartete "Land-unter", was Hochwasser bedeutet.  So ging ich ins Heimatmuseum. Der Besitzer nahm sich viel Zeit, um mir sämtliche Haushaltsgegenstände und Mobiliar von früheren Kapitänen zu zeigen.

Mittags wollte ich eigentlich mit einer Führung über die Hallig gehen, aber es war so Windig und ständig regnete es, dass ich doch zu Hause blieb und nebenher Radio hörend Sudoku spielte. Später erfuhr ich, dass die Führung ohnehin nicht statt gefunden hatte.

Abends besuchte ich noch eine Veranstaltung: Foto: Land unter auf der Hallig Plattdeutsche Sketsche. Auf dem fünfminütigen Weg dorthin wäre ich beinahe umgekehrt, da nun der Wind so stark blies, dass ich gänzlich die Orientierung verlor. Später sagte man mir, das es an diesem Tag Windstärken zwischen 10 und 12 gab. An dieser Stelle möchte ich noch einmal betonen, dass Wind ab Windstärke 7 eine erhebliche Einschränkung der Mobilität bedeutet. Bevor ich solch einen Wind erfahren hatte, hätte ich nie gedacht, dass Windgewalt so gigantisch ist und mich so aus der Orientierungsbahn werfen würde.

Von Samstag auf Sonntag Nacht geschah es dann: Land-unter - auf der gesamten Hallig, außer auf den Warften, stand zirka einen Meter hoch das Wasser. Es gibt auf Hallig Hooge 10 Warften. Auf diesen künstlich aufgeschütteten Hügeln befinden sich die Wohnhäuser der Halligbewohner. Auf der größten Warft, der Hanswarft, auf der ich auch wohnte, gibt es etwa 15 Häuser. Darunter zwei Restaurants, ein Imbiss und ein Café. Insofern hatte ich Glück, denn nicht auf jeder Warft gibt es Restaurants.

An diesem Tag konnte keiner von seiner Warft herunter. Foto: Land unter Das Wasser überströmte alle Straßen. Wir hatten herrlichsten Sonnenschein, bestes Laufwetter, obwohl es immer noch sehr windig war, aber weit kam ich heute nicht. So begnügte ich mich damit, Sudoku zu spielen und alle zwei bis drei Stunden eine Gastronomie aufzusuchen.

Ich erfuhr an diesem Tag viel über Sturmfluten, z. B., dass ihr Entstehen auf Zusammenhänge zwischen Wind und Neu- bzw. Vollmund begründet ist, und nicht, wie ich dachte, durch Wind und starken Regen. Wenn ich mich all zu eingesperrt fühlte, wanderte ich einmal um die Warft herum, was etwa 10 Minuten dauerte, und Streckte hier und da meinen Stock ins Wasser.

Alle fanden das Land-Unter ein spektakuläres und tolles Erlebnis. Eine 85-jährige Touristin meinte sogar, dass sie jetzt, wo sie das gesehen hat, sterben könne. Vielleicht sieht so ein Land-Unter ja toll aus, aber ich persönlich hätte auch darauf verzichten können. Aber nun will ich mal nicht meckern und möchte dieses Erlebnis mal nicht schmälern.

Die anstrengenderen Erkundungen der Hallig

Schon war es Montag. Und - Juchhu, man konnte wieder auf die Straßen. Das Wasser war über Nacht schon wieder weitgehend zurück ins Meer abgelaufen. Zwar waren hier und dort noch etwa fünf Zentimeter hohe Pfützen, aber ich konnte wieder los. Morgens ging ich auf mir bereits Bekannten Wegen zur östlichsten Warft und mittags machte ich mich dann endlich auf, die westlichen Warften zu erkunden.

Da es heute weniger windig war, konnte man endlich mal mehr von der Natur hören: viele Vogelarten, unter anderem auch Gänseschwärme oder das Plätschern der Priele. Der Weg bis hin zur Westerwarft verlief sehr unbeschwerlich auf einem betonierten Weg. Zufällig traf ich dort Anna, die mich darauf Aufmerksam machte, dass ich nicht den gleichen Weg zurück gehen müsse. Ich könnte auch auf dem Deich direkt am Wasser entlang bis zum Hafen laufen und dann durch die Hallig zurück gehen. Ich beschloss dies zu tun. Auf der Nord-Westseite der Hallig war es jedoch gleich wieder viel windiger und mich trennte nur eine gehsteighohe Kannte vom Meer. Immerhin war es ein Natursteinweg.

Plötzlich ging mein Weg nicht mehr weiter. Zwar stand ich vor einer sehr schmalen Brücke, die aber war abgesperrt und schien nirgends hinzuführen. Hier half auch das Navisystem nicht mehr weiter. War Anna, die den Vogelbestand der Hallig zählen musste, schon an mir vorbei gegangen? Ich wusste es nicht. Ich versuchte selbst den Weg zu finden, hatte aber auch nicht so recht Ahnung, wonach ich suchen sollte: Holz- oder Beton- oder Steinbrücke, breit oder schmal, Geländer oder keines? Ich war etwas ratlos.

Plötzlich war jedoch Anna wieder da Steg und zeigte mir, wo die Brücke war. Es verblüffte mich, denn ich meinte, dass ich genau dort auch die Brücke gesucht hatte. Vielleicht war ich zehn Zentimeter daneben gewesen und hab nur zu früh das Suchen aufgegeben. Wieder einmal war ich verwundert, wieviel das Nicht-erfassen-können von kleinsten Strecken ausmacht. Aber jetzt war ich glücklich wieder auf dem Weg und konnte mit Hilfe des Orientierungsmodus problemlos auf meine Warft zurückfinden.

Als ich nach Hause kam, hatte ich richtige Rückenschmerzen. Wahrscheinlich war ich auf dem zweieinhalbstündigen Marsch teilweise sehr angespannt oder vielleicht auch verkrampft gewesen. Auch war ich stets darauf bedacht, möglichst viel mit dem Stock zu erfassen, sodass mir keine Lauffallen entgingen. Für heute hatte ich genug.

Noch ein abenteuerlicher Tag

Dienstag war mein letzter Tag auf Hallig Hooge. Heute wollte ich auf dem südlichen Deich entlang bis zum Fähranleger laufen. Ich wusste, dass auf dieser Seite der Deich mit Gras bewachsen ist. So ging ich auf den Deich und stellte erst einmal fest, dass dieser grasbewachsene Wall zirka fünf Meter breit ist, aber keine gute Kante hatte, woran man sich orientieren konnte. Schon nach wenigen Metern merkte ich, dass das Laufen auf diesem Graswall sehr beschwerlich war. Dazu kam noch, dass ab und zu kleine Rinnen auf dem Weg waren, die zum Meer hin führten. Außerdem lag der Deich voll mit angespülten Dingen wie zum Beispiel kleinen Baumstämmen oder Algenballen. So hatte ich schon nach etwa 100 Metern die Schnauze voll von diesem Weg, zumal ich soeben eine Rinne mit dem Stock übersehen hatte, hineingestolpert und gefallen war.

Ich wollte umkehren, wusste jedoch nicht, ob ich den Durchgang vom Deich zum Weg je wieder finden würde. Einen Orientierungspunkt auf dem Navigerät gab es jedenfalls dort nicht. Also beschloss ich, lieber bis zum nächsten Orientierungspunkt des Navis auf dem beschwerlichen Weg zu bleiben, als herumirrend nach dem naheliegenden Deichabgang zu suchen. Bis zum nächsten Abgang waren es laut Navi 600 Meter (Luftlinie). Ständig blieb mein Stock im Gras hängen, der Wind blies auch recht kräftig und die 600 Meter schrumpften nur sehr, sehr langsam. Mir tat schon nach 200 Metern alles weh, obwohl ich nur sehr langsam ging.

Plötzlich hörte ich weiter vorne Kinderstimmen. Jetzt hielt ich meinen Stock diagonal vor mich in der Luft, damit ich schneller gehen konnte. Und tatsächlich: mehrere Stimmen unten am Wasser. Als ich auf der gleichen Höhe wie sie war, rief ich und fragte sie, ob sie in die gleiche Richtung wie ich unterwegs waren. Nachdem ich wusste, dass sich jemand in meiner Nähe befand, ging plötzlich alles viel einfacher. Es war ein interessantes Phänomen: Obwohl ich immer noch alleine mit dem Stock lief und die Familie immer etwa 100 Meter von mir entfernt war, war dieser psychologische Sicherheitsfaktor wohl ausschlaggebend für mein Wohlbefinden. Meinen Plan, auf dem Deich bis zum Fähranleger zu laufen war damit gestorben.

Ich wählte die einfachere Tour durch die Hallig auf schönen betonierten Straßen. Es war ein Genuss. Auf der Backenswarft kehrte ich im blauen Pesel, einem kleinen Café ein.

Danach machte ich mich auf, um den Weg zur Westerwarft über die Brücke, die ich gestern nicht gefunden hatte, zu suchen. Vorbei an der Kirchwarft, der Schleuse und dem Hafen. Und wieder fand ich sie nicht. Ich fragte Touristen danach, aber auch Sehende sehen manchmal ganz schön wenig. Keiner fand meine Brücke. Ich wollte schon fast aufgeben, da kamen mir Fahrradfahrer entgegen und die wollten sowieso dort hin, sodass ich mit ihnen mitlaufen konnte.

An der Westerwarft verließ mich wieder einmal mein Orientierungsgerät. Aber ich war ja am Vortag den Weg schon gelaufen, sodass ich auch ohne die Hilfe des Geräts gut zurückkam.

Am Abend gestand mir meine Wirtin, dass sie mich manchmal mit ihrem Fernglas beobachtet hatte, um sich zu vergewissern, dass es mir gut ging und ich gut zurecht kam. Sie bewunderte mich, aber sie meinte, dass sie lieber schon vor meiner Ankunft gewusst hätte, dass ich blind bin. So wäre sie zu Anfang doch schon sehr verunsichert gewesen. Ich war jedoch davon ausgegangen, dass das Touristenbüro die Wirtin darüber informieren würde, da wir am Telefon ausgiebig darüber redeten. Ich habe daraus gelernt, falls ich noch einmal alleine auf Reisen gehen sollte, werde ich die Gastleute vorher anrufen und ihnen mitteilen, dass ich blind bin. Ich glaube, es ist für alle Beteiligten angenehmer, obwohl ich gestehen muss, dass ich, so kaputt wie ich bei meiner Ankunft war, nicht nicht bemerkt hatte dass sie unsicher war.

Rückkehr aufs feste Land

Am nächsten Morgen fuhr um 8.00 Uhr mein Schiff zurück aufs Festland und ich trat meine achtstündige Zugreise zur Ostsee an. Dies ist übrigens auch ein interessanter Kontrast: Raue, wilde Nordsee mit eigentlich immer Wind, Ebbe und Flut, und dazu im Gegensatz friedliche, leise, dahinplätschernde Ostsee und absolute Windstille. Erst an der Ostsee fiel mir auf, dass ich an der Nordsee eigentlich nie wirklich Windstille erlebt hatte.

Meine Abende gestalteten sich nach dem Essen meistens durch Sudoku-spielen und Radiohören, da es mir keinen Spaß machte, alleine in den Lokalitäten zu sitzen. Und Leute anquatschen und neu kennenlernen erschien mir als zu aufdringlich. So war es auch mal wieder gut, zu spüren, dass man auch alleine mit sich noch was anfangen kann. Außerdem kam ich tagsüber schon genug mit Leuten in Kontakt, wenn ich mal wieder Hilfe brauchte. Es stellte sich ohnehin heraus, dass ich immer wieder von meiner Blindheit und wie ich damit zurecht komme, erzählen musste, was mir manchmal auch auf die Nerven ging. Als erstaunlich empfand ich jedoch die Tatsache, dass es doch im Verhältnis sehr wenige Sehende gibt, die je schon einmal in Kontakt mit einem Blinden waren.

Fazit

Es klingt für einen Außenstehenden überhaupt nicht spektakulär, allein auf Hallig Hooge zu reisen, aber nach meinem Empfinden war es das schon. Ich bin jetzt schon über 40 Jahre alt und wahrscheinlich deshalb nicht mehr so risikofreudig wie eine Zwanzigjährige. Aber ich denke, Mir persönlich hat diese Reise, neben den vielen Erfahrungen, ein höheres Selbstbewusstsein gebracht. Allerdings muss man es sich auch zutrauen. Ich glaube nicht, dass es ein erfolgreicher Urlaub werden kann, wenn man zu viel Angst hat oder wenn man eine solche Reise mit zu viel Druck und Pflichten besetzt.

Das Alleinreisen als Blinde war für mich nicht erholsam, aber als Aktivurlaub durchaus geeignet. Stresssituationen gab es, aber diese zu meistern war für mich ein gutes Gefühl. Man sollte jedoch meiner Meinung nach darauf achten, in ein Land zu reisen, in dem man die landesübliche Sprache perfekt kann. Auch sollte man nicht zu mutig sein, sich nicht zu hohen Gefahren aussetzen, wobei dies natürlich im Ermessen jedes Einzelnen liegt. Auch sollte man nicht den Aspekt vernachlässigen, dass man zum alleinigen Erkunden wesentlich mehr Zeit benötigt.
Erstaunlich fand ich jedoch, dass man beim Alleinreisen doch mehr mitbekommt, als ich dachte, man muss sich nur darauf einlassen.

Zu Beginn der Reise ertappte ich mich schon öfter mal bei Gedanken wie: "Das wäre doch jetzt alles so einfach, wenn ich es sehen könnte" oder "Hätte ich jetzt doch jemand dabei der gucken kann". Foto: Katja mit Begleitung Doch das legte sich nach etwa zwei Tagen. Das Erfahren und Erleben unbekannter Umgebungen ist mit mehr Aufwandt, mit mehr Spekulation und vielleicht auch mit mehr Anlesen verbunden, jedoch dann durchaus ergiebig möglich, wie man hoffentlich aus meinem Bericht schließen kann. Aber in Begleitung eines Sehenden ist vieles einfacher, schneller und machbarer. Z. B. hätte ich gerne auch mal eine andere Hallig oder Insel besucht, was jedoch alleine nur möglich gewesen wäre, wenn ich vom gewünschten Besuchsort durch Karten oder einen Audioguide eine Vorstellung gehabt hätte. Auch fehlten mir manchmal Landschafts-, Personen- oder Naturbeschreibungen eines Sehenden. Vielleicht fehlte das aber auch nur deshalb, weil ich es so gewohnt bin?

Den Audioguide und das Kartenmaterial von Hallig Hooge finde ich persönlich sehr gut und hilfreich. Es ermöglicht Blinden ein unabhängigeres Erfassen einer fremden Umgebung und bietet damit eine barrierefreie Form, Reiseeindrücke zu erhalten. Es ist jedoch negativ, wenn sich ein Audioguide nach zirka zwei Stunden einfach plötzlich und unvorbereitet abschaltet. Man versprach mir jedoch, dass neue Geräte angeschafft werden.

Die sprachlichen Beschreibungen sowie die verschiedenen Modi des Audioguides sind jedoch exzellent und bedürfen meiner Meinung nach keiner wesentlichen Verbesserung. Vor Allem der Orientierungsmodus ist außerordentlich und ermöglicht einem Blinden eine hervorragende Vorstellung seines Standortes.

Das Kartenmaterial finde ich auch sehr gut, aufschlussreich und wichtig. Allerdings kann man meiner Meinung nach keine so großflächige Landkarte beim Laufen lesen, weshalb man sie dann auch nicht mit sich herumschleppen muss. Man könnte diese Landkarten ja auf dem Schiff, in den Lokalitäten oder im Touristenbüro auslegen und damit Blinden zugänglich machen. Auch die Möglichkeit, sich die Karten bei der DZB zu kaufen, finde ich hervorragend. Aber sie Blinden bei einem Kurzbesuch mitzugeben, finde ich unpraktikabel.

Alles in allem hatte ich auf Hallig Hooge eine schöne, lehrreiche und spannende Zeit, in der ich viele nette und interessante Menschen kennen lernte und Erfahrungen machte. Ich möchte diese Reise nicht missen.

 

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Kommentar von root am 23.10.2009; 21:19:38 Uhr

Kommentar zum Erfahrungsbericht: Als Blinde allein auf Hallig Hooge

Moin Katja,
das war tatsächlich sehr mutig und wohl auch anstrengend, fast so etwas wie ein Abenteuerurlaub auf einem Fleckchen Erde, das ja eigentlich eher Stille und Entspannung austrahlt. Das Abenteuerliche hier ist wohl aber nicht nur, blind zu sein und allein die Welt zu erkunden, sondern hier ist es tatsächlich die Natur, die einem in ihrer vollen Gewalt umgibt, zumal im Herbst. Hier lernt jeder Respekt - egal ob sehend oder blind.

Danke für diesen aufschlussreicher Bericht.

Regine

Kommentar von Peter am 27.10.2009; 00:09:18 Uhr

Kommentar zum Erfahrungsbericht: als Blinde allein auf Hallig Hooge

Hallo Katja,

vielen Dank für die Mühe, sehr eindrucksvoll und aufschlussreich. Ich entschuldige mich für die Unzuverlässigkeit der Geräte. Wir haben die Software entwickelt und das ist ein ähnlich ambitioniertes Unternehmen wie dein ungewöhnlicher Urlaub. Ich weiss nun zumindest, dass sich der Aufwand gelohnt hat und wir werden alles geben um die Kritikpunkte bis zum offiziellen Start des Guides im Mai nächsten Jahres zu beseitigen.

Viele Grüße
Peter
p.mende@transformat.de

Kommentar von Karine am 11.11.2009; 15:38:24 Uhr

Kommentar zu Erfahrungsbericht: Als Blinde allein auf Hallig Hooge

Hallo Katja,
vielen Dank für den ausführlichen, lebendigen und mitreißenden Bericht!
Deine Sprache lässt die Lesenden direkt fühlen,auf welchen positiven und negativen Stress du dich eingelassen hast, wo die Schwachpunkte sein können, die für Sehende nicht mal mit wohlwollenden Nachdenken auch nur annähernd nachzuempfinden sind, welche körperliche und emotionale Anstrengung es auch ist, den eigenen Ansprüchen nach individueller - unbegleiteter - Mobilität zu genügen...
Toll, wie du die Einschränkung durch den Wind beschrieben hast - viele deiner Erfahrungen decken sich mit meinen, als ich 1 Woche alleine Helgoland bereiste...
Einfach ein 5-Sterne - Bericht!
Es grüßt dich Karine

Kommentar von Franz Erwin am 11.11.2009; 19:56:51 Uhr

Kommentar zu Erfahrungsbericht: Als Blinde allein auf Hallig Hooge

Unsere Mobilität müssen wir uns jedesmal neu erkämpfen!
Weil im Geschäftsalltag auch für uns die Effizienz der Fortbewegung unumgänglich ist, gehts fix per Auto oder am Arm des Begleiters ans Ziel.
Du hast mir mit Deinem haarkleinen Bericht das Verschlammen der eigenen Langstockmobilität bewusst gemacht.
Danke fürs Aufrütteln!

Kommentar von Andersicht-Reporter am 12.11.2009; 18:34:39 Uhr

Kommentar zu Erfahrungsbericht: Als Blinde allein auf Hallig Hooge

Mit Zustimmung des Verfassers reichen wir hier einen Kommentar von Michael aus Bonn weiter.
Hallo Katja,

das war eine echt spannende Lektüre. Ich weiß zwar jetzt nicht, ob ich mal die Hallig Hooge bereise, aber die positiven Eindrücke, vermischt mit den Schwierigkeiten, die sich beim Orientieren vielleicht zwangsläufig ergeben, haben mich den Bericht mit Spannung lesen lassen.

In Teilen habe ich mich an meinen ersten Samosurlaub erinnert gefühlt. Dort sind wir auch schon neun Mal ohne sehende Begleitung gewesen und beim ersten Mal am zweiten Tag fehlte wirklich nur ein Schritt, und ich wäre ins Hafenbecken gefallen. Ich hatte ja keine Ahnung, dass da unmittelbar vor mir Wasser war, weil dieses Wasser so still war, im Gegensatz zum offenen Meer.

Die Probleme mit starkem Wind kann ich sehr gut nachvollziehen. Das stimmt einfach, dass die Orientierung futsch ist, weil man so gut wie nichts mehr hört und regelrecht aus der Bahn gedrückt werden kann. Einmal bei starkem Wind auf der Mauer, die das offene Meer vom Hafenbecken abgrenzt, also links und rechts Wasser, war schon fast gruselig. Da war ich dann froh, nicht so alleine dort zu sein.

Aber dein Engagement und dein Bericht zeigt: Den Mutigen gehört die Welt.
Also: Weiter reisen, denn das schafft unersetzliche Erfahrungen.

Grüße aus Bonn

Kommentar von Andersicht-Reporter im Auftrag von Brigitte aus Berlin am 12.11.2009; 18:42:51 Uhr

Kommentar zu Erfahrungsbericht: Als Blinde allein auf Hallig Hooge

Hallo Katja,

ich fand deinen Reisebericht über Hallig Hooge äußerst interessant und kann Dich nur ob Deines Mutes bewundern. Ich bin selbst blind, würde mir das jedoch ganz allein nicht zutrauen. Ich bin auch etwas älter als Du, das hätte ich mir aber auch in den vierziger Jahren wohl nicht zugetraut. Bestimmt hast Du durch Dein Verhalten viel Aufklärung betrieben. Mein Mann und ich staunen auch immer nur, wieviele Menschen es doch gibt, die noch nie mit Blinden in Berührung gekommen sind. Und, wie schnell kann ein einziger Blinder durch sein Verhalten aufklären, aber auch einen Scherbenhaufen hinterlassen, den man schwer wieder aufräumen kann.

Freundliche Grüße sendet Brigitte aus Berlin



Kommentar von katja am 09.12.2009; 13:25:35 Uhr

Kommentar zu Erfahrungsbericht: Als Blinde allein auf Hallig Hooge

Hallo ihr lieben Kommentarschreiber und Leser!

Vielen Dank für euer so hohes Lob. Ich freue mich sehr darüber. Aber ich finde eure Kommentare fast hochwertiger und wichtiger als meinen Bericht. Sie zeigen, dass das Thema Orientierung und Mobilität im Leben eines Blinden einerseits immer wieder im Mittelpunkt steht, aber andererseits oftmals verdrängt wird oder mit zu hohen Ansprüchen verbunden ist. Ich denke aber, gerade der Bereich "Orientierung und Mobilität" ist so ein individueller und variabler Bereich, dass es da kein gut oder schlecht bzw. falsch oder richtig geben darf. Hier muss jeder seine eigenen Grenzen und Möglichkeiten finden. Und die Technik, lieber Peter, hilft uns, eine größere Spannweite unserer Möglichkeiten zu bekommen, auch wenn sie manchmal versagt. Nur durch Fehler kann ein System verbessert werden! Nochmals vielen Dank dafür!

Kommentar von Rainer am 03.01.2009; 16:42:55 Uhr

Kommentar zu Erfahrungsbericht: Als Blinde allein auf Hallig Hooge

Hallo Katja,

Danke für den tollen Bericht. Meine Frau und ich (beide vollblind) suchen auch immer wieder Herausforderungen, um nicht einzurosten. So sind wir schon auf die Zugspitze gegangen, haben einen Tandem-Fallschirmsprung usw. gemacht.

Nachdem wir letztes Jahr unsere Leidenschaft für Ost- und Nordsee gefunden haben, werden wir vielleicht auch mal dieses Projekt in Angriff nehmen - Dank Deines Erfahrungsberichtes.

Viele Grüße aus Veitshöchheim
Rainer

Kommentar von Heiko Lindenmann am 11.03.2011; 20:34:57 Uhr

Kommentar zu Erfahrungsbericht über eine Woche als Blinde allein auf Hallig Hoo

Hallo Katja,
ich habe dich gerade hier entdeckt.
Wir haben gemeinsam in HD studiert.
Wie geht es dir?
Ich würde mich freuen, von dir zu hören!!!

Gruß Heiko
Heiko-Lindenmann@web.de


Kommentar von martin am 04.03.2012; 08:56:41 Uhr

Kommentar zu Erfahrungsbericht über eine Woche als Blinde allein auf Hallig Hoo

superschöner reiseberich ..... leider findet mann selten reiseberichte behinderter menschen

Kommentar von Barbara Marquardt am 15.09.2013; 20:50:46 Uhr

Kommentar zu Erfahrungsbericht über eine Woche als Blinde allein auf Hallig Hoo

Hallo Katja, hoffentlich liest du die mails noch, ist ja schon eine Weile her...
Ich hab mich eben so gefreut den Bericht von dir zu finden. Kannst du dich noch an die Urlaube im Allgäu erinnern? Ich bin Babsi, eine der beiden Töchter des Hotels in dem ihr mit euren Großeltern immer zu Gast wart. Ich denk noch oft und gerne an dich und Kirsten und eure Familie :-). Wow, bist du mutig, das ist ein sehr spannender Bericht und toll dass Fotos von dir dabei waren, hab dich gleich wieder erkannt! Lass es dir gut gehen und grüße deine Famielie bitte. GLG Babsi

Kommentar von Björn am 03.05.2014; 17:03:41 Uhr

Kommentar zu Erfahrungsbericht über eine Woche als Blinde allein auf Hallig Hoo

Klasse Katja,
ich befasse mich gerade als Touristiker mit dem Thema Barrierefreiheit und bin so auf Deinen Bericht gestoßen. Er läßt mich erahnen wie es Dir ergangen ist. Denke, es ist noch ein sehr weiter Weg und besonders in S-H bis "Urlaub für Alle" Realität ist. Unabhängig davon sollten alle Menschen gleich mit welchem Handicap sie leben müssen wissen wie schööööön die Nordsee ist und dafür bist Du eine Spitzenbotschafterin.

DANKE dafür, würde mich freuen wenn du uns wieder im Norden besuchen kommst und noch mehr Menschen Deinen Mut haben. Auch das hilft uns am Thema Barrierefreiheit zu arbeiten.

L.G. Björn

 

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