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Einmaliges Projekt im NordseeMuseum bietet innovatives Konzept für Sehbehinderte

Logo: Museumsverbund Nordfriesland

Moderne Technik ermöglicht die Museumsführung für Blinde

von Raina Bossert

HUSUM (rb) - "Ich höre und fühle, was Du siehst!" - unter diesem Motto startet ein Pilotprojekt im NordseeMuseum-Nissenhaus. Bisher galt, dass große Ausstellungen nicht mit vertretbarem Aufwand für Blinde und Sehbehinderte erschließbar seien und ihre selbstständige Orientierung nicht gewährleistet werden könne. Das Projekt im NordseeMuseum ermöglicht es, unter Verwendung einer speziell entwickelten Technik, alle zehn Bereiche in der Dauerausstellung für blinde Besucher erlebbar zu gestalten. Erstmalig im deutschsprachigen Raum wird so ein komplettes Museum - und nicht nur ein spezieller Teilbereich oder eine einzige Ausstellung - selbstständig erkundbar sein.

Gemeinsam haben der Museumsverbund Nordfriesland, der Verein „Andersicht e.V. - Kompetenz für hör- und tastsinnige Projektarbeit" und das Unternehmen „Dräger & Lienert Informationsmanagement" aus Marburg das einzigartige Führungs-System entwickelt. Der "Tag It Guide" ist ein elektronischer Museumsführer mit Ohrhörern, Steuerknöpfen und einem Lese-Stift, der mittels Kontakt durch Antippen an insgesamt 225 installierten Auslösepunkten, den „Tags", umfangreiche Hörinformationen für den Besucher liefert. So wird dieser von Station zu Station geleitet, ergänzt durch 110 ertastbare Richtungsmarkierungen. Anhand der Steuerknöpfe am "Tag It Guide" ist es möglich, an jeder beliebigen Station in die Ausstellung einzusteigen, Themen zu vertiefen oder zurück zu gehen. Somit kann die gesamte Führung mit über sechs Stunden Audiomaterial gemäß den Interessen des blinden Besuchers gesteuert werden, was ihm eine völlig neue Souveränität bietet. „Da es DEN Blinden schlechthin nicht gibt, haben wir außerdem die im Mobilitätstraining für Blinde erfahrene Rehabilitationslehrerin Christine Loßmann mit eingebunden", erklärt Projektteammitglied Hela Michalski vom „Hörfilm e.V.".

Die Kosten für das „sprechende" NordseeMuseum betragen 64.000 Euro. „Eine günstige Voraussetzung für uns war, dass es den „Fonds zur Herstellung der Barrierefreiheit für blinde und sehbehinderte Menschen" beim Sozialministerium des Landes Schleswig-Holstein gibt", sagt Dr. Jürgen Trinkus, Projektkoordinator und Vorsitzender des Vereins „Andersicht" und ergänzt, dass das Prädikat „Barrierefreiheit" jetzt eine ganz neue Bedeutung bekommt. „Wir planen mittelfristig eine zweite Phase, die der Verbesserung dienen wird, nach dem Motto „Wo vermissen die Besucher was am meisten?" - und es sollen taktile Elemente hinzukommen", so Dr. Sven-Hinrich Siemers, Leiter des NordseeMuseums.Projektteam NordseeMuseum

Das Bild zeigt
Die Projektteammitglieder „Sprechendes NordseeMuseum" beim ersten Test der Installation: Richard Emling, Hela Michalski, Moritz Lewien, Hansjörg Lienert, Jürgen Trinkus, Sven-Hinrich Siemers und Yannic Lienert (v.l.n.r.).

 

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