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Eine andere sprechende Speisekarte und ein fernes Echo

Die "Westfälische Rundschau" berichtet am 26.6.2012 von einer Sprechenden Speisekarte in Hagen.

Hagener Restaurant bietet sprechende Speisekarte für Blinde an

Am 25.06.2012 | 18:34 Uhr berichtet "Der Westen", das Online-Portal der "Westfälischen Rundschau" von einer Neuheit, die zumindest in den Augen ihrer Anbieter eine solche ist: "Die Griechen haben es zurzeit wirklich nicht leicht (Euro, Fußball-EM), aber in einem sind sie den Deutschen voraus: Ab Mittwoch bieten Sofia und Georgios Petalidis in ihrem Hagener Restaurant „Polis“ eine sprechende Speisekarte an, damit blinde und sehbehinderte Menschen ihr Essen ohne die Hilfe anderer auswählen können. „Sicherlich noch einzigartig“, meint Dieter Hecklau vom Förderverein für das Blindenwesen Hagen (FBH), der die Idee zu dieser Karte hatte."

Dieter Hecklau, ehrenamtlich engagiert in der Interessengemeinschaft blinder und sehbehinderter Computerbenutzer (ISCB) hätte nur recherchieren müssen in der Datenbank touristischer Angebote für blinde und sehbehinderte Menschen in Deutschland (databusw). Er hätte dort gefunden, was dem gründlich recherchierenden Reporter Michael Schmitz von der "Westfälischen Rundschau" zum Telefonhörer greifen und weiter recherchieren ließ.

"Jemand, der bereits Erfahrung mit ähnlicher Technik hat, ist Dr. Jürgen Trinkus, Archivar beim NDR in Kiel und Vorsitzender des Vereins „Andersicht – Kompetenz für hör- und tastsinnige Projektarbeit“. Auf dessen Betreiben bieten drei Restaurants in Norddeutschland, unter anderem das Café Seehund auf der Hallig Hooge, eine ähnlich funktionierende Speisekarte an. „Man kann wie ein Sehender in der Karte blättern, muss sich nicht alles anhören. Aber es ist nicht der große Marktrenner“, sagt Trinkus. Die Resonanz hänge von der Aufmerksamkeit des Personals ab, das sehbehinderte Menschen erkenne und ihnen die Karte anbiete. Für eine technische Sackgasse hält er die Hörstifte aber nicht: „Wir müssen nur raus aus der Blindenecke.“ Etwa, wenn ein kultiger Mensch aus der Region die Speisekarte bespreche, „so dass auch Sehende ihre Freude daran haben“, oder die Stifte mehrsprachig seien für ausländische Gäste. Derzeit entwickelt der Verein Andersicht einen Hörstift, der für den Museumsalltag geeignet ist."

Weitere Hintergründe

Auch wenn die Anbieter in Hagen nicht die Ersten waren, die eine Sprechende Speisekarte präparierten, liegt sicher kein Ideen-Klau vor. Zum Einsatz kommt sowohl in den drei nordfriesichen Restaurants als auch beim Griechen in Hagen das Blindenhilfsmittel PenFriend. Kleine runde Labels mit einem optischen Code werden auf die Speisekarte geklebt: pro Menü-Eintrag ein Label. Tippt der Nutzer mit der Sensorspitze des Stiftes auf den Code, hört er, was sehende Menschen in der jeweiligen Zeile mit Augen lesen können, sofern diese keine Brille brauchen bzw. dieselbe auch wirklich dabei haben. In solchem Fall wäre auch für sie der Hörstift nützlich.

Der via Großbritannien zu uns gekommene PenFriend aus der Familie der Talking Pens ist ein nützliches hilfsmittel im Alltag. Blinde Menschen können mit Hilfe aufgeklebter Labels vielen Gegenständen ihres Alltags Informationen zuordnen, die sie bei Bedarf abhören können. Eine CD, ein Dokument, eine Konservendose oder ein Gefrierbeutel, sagen, was sie enthalten, sofern diese Information vorher aufgesprochen wurde. Ein solches Label unterwegs kann als akustischer Einkaufszettel genutzt werden. Ein Apotheker kann die Instruktion für ein Medikament mitliefern, wenn er mit Hilfe des PenFriend des blinden Kunden die nötigen Informationen aufspricht. Warum also nicht auch eine Speisekarte einlesen?" Für das "Café Seehund" auf Hallig Hooge und die Restaurants "Steak & Meer" sowie "Fischhaus Loof" in Husum hat Andersicht die elektronischen Textvorlagen der Speisekarte genutzt, um die Inhalte mit hochwertiger und sehr gut verständlicher synthetischer Stimme zu liefern. Dieses Verfahren bringt bessere Klangqualität als das eingebaute Mikrofon des Stiftes. Dieses Verfahren sieht der PenFriend eigentlich aber nicht vor. Für uns war der PenFriend auch nur der Ausgangspunkt, um einen Hörstift für Gastronomie und Museumswesen zu entwickeln, der weitreichendere Anwendungsmöglichkeiten bietet. Dazu gab es in Tönning am 12. Mai 2012 einen Workshop. Und dazu wird es bald Neuigkeiten geben."/p>

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